Seoul: Eine Stadt der Gegensätze

Zwischen Wolkenkratzern und alten Palästen, zwischen grünen Gärten und schmalen Gassen

Das wir mal nach Seoul reisen würden hatten wir am Anfang unserer Reise nicht gedacht. Als wir in Panama auf der schönen Isla Popa saßen und mit der netten Besitzerin geplaudert haben: Ihre Tochter wohnt in Seoul und sie hat so davon geschwärmt. „Machen wir irgendwann mal“, haben wir uns gesagt… Südkorea ist genau wie Taiwan kein typisches Reiseland, aber als wir unseren Trip nach Taiwan und Japan geplant haben und gesehen haben wie günstig die Flüge sind, erinnerten wir uns wieder an Isla Popa und bauten Seoul in unsere Route ein. Keine komplette Rundreise durch Südkorea, aber Seoul und die Grenze zu Nordkorea, die wollten wir auf jeden Fall sehen!

Gleich vorweg: Seoul ist eine tolle Stadt, die aus unserer Sicht völlig unterschätzt ist! Sie geht ein wenig unter zwischen ihren pompösen Nachbarn Tokio, Hongkong und Shanghai, aber das zu unrecht. In Shanghai waren wir noch nicht, aber mit Hongkong und Tokio kann Seoul auf jeden Fall mithalten. Aber nun von vorn:

Eine zentrale Unterkunft in Seoul ist Gold wert

Als wir in Seoul am Flughafen ankommen, erwarten uns angenehme Temperaturen, unglaublich freundliche Flughafenmitarbeiter und all das was wir in dem chaotischen Südostasien vermisst haben. In einem Bookstore kaufen wir uns die T-Money Card, das Zahlungsmittel für alle Verkehrsmittel in Seoul. Ähnlich wie auch schon in Taiwan, kann man die Karte für alle Busse und Bahnen nutzen. Die Karte kostet einmalig 4.000 Won (etwa 3,20 Euro), aber da du mit der Karte auf alle Fahrten zehn Prozent sparst, hast du das schnell wieder drin. Wir laden etwas Geld drauf, suchen nach dem richtigen Bus und werden für nur 9.000 Won (etwa 7,20 Euro) in die Stadt gefahren. Der Bus ist mit Abstand die günstigste Möglichkeit, um in die Stadt zu kommen, da der Flughafen Incheon etwa 60 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt liegt. Unsere Unterkunft das Oh my Guesthouse liegt zentral, in der Nähe der Metro und des bekannten Gyeongbokgung Palace. Besonders die zentrale Lage lernen wir in den kommenden Tagen sehr zu schätzen, den Seoul ist riesig! Die Unterkunft ist für Seoul günstig und ein Frühstück ist auch dabei. Außerdem ist die Gastgeberin Lee total herzlich und hat viele Tipps für uns parat. Also eine ganz klare Empfehlung von uns!

Oh my Guesthouse Seoul

Unsere Gastgeberin Lee

Seoul: Eine der größten Städte der Welt

Mit knapp 24 Millionen Einwohnern in der Metropolregion, ist Seoul die viert größte Stadt der Welt. Wir waren schon vorher in Delhi, der drittgrößten Stadt der Welt, aber Delhi und Seoul kann man nicht vergleichen. Während Delhi das größte Chaos ist, das wir je gesehen haben, ist Seoul total geordnet, sauber und grün – das komplette Gegenteil. Der Ausländeranteil beträgt in Seoul unter einen Prozent, sodass europäische Touristen direkt auffallen. So werden wir den ganzen Tag von aufgeregten Schulklassen nach Fotos gefragt. Vielleicht doch eine Gemeinsamkeit zwischen Delhi und Seoul…

Seoul Korea

Viele Schulklassen wollen Fotos mit uns machen

Seoul hat ein sehr gutes Metro- und Bussystem, das du komplett mit der besagten T-Money Card bezahlen kannst. Eine Fahrt mit der Metro kostet 1.250 Won (etwa 1,- Euro), solange du nicht mehr als Zehn Kilometer weit fährst. Für die Busse gilt das gleiche Prinzip. Was wir richtig gut finden: Wenn du vom Bus in die Metro umsteigst oder umgekehrt, wird dir der Betrag trotzdem nur einmal abgebucht. Auch wenn Seoul groß ist, sind wir sehr viel zu Fuß gelaufen und haben so pro Tag selten mehr als zwei Mal für Metro und Bus zahlen müssen.

Und da Seoul so unglaublich groß ist und es so unglaublich viel zu Sehen gibt, versuchen wir, uns nicht so viel vorzunehmen. Seoul ist viel zu groß, um in drei Tagen alles sehen zu können, aber nach neun Monaten Reisen haben wir den Anspruch alles zu sehen, abgelegt. So versuchen wir einen Eindruck von der Stadt, einen Einblick in das Leben in Südkorea zu bekommen und dazu gehört für uns, sich Treiben zu lassen oder einfach mal mit einem Kaffee mitten in einer Einkaufsstraße zu sitzen und die Menschen zu beobachten! Trotzdem haben wir uns natürlich einige Sehenswürdigkeiten angesehen und das alte und das neue Seoul kennengelernt. Damit du einen kleinen Einblick in unsere schöne Zeit in Seoul bekommen kannst, findest du hier unsere Highlights:

Seoul

In Seoul gehen Alt und Neu direkt ineinander über!

Ein Ausflug zur Grenze von Nordkorea

Die Grenze zwischen Nord- und Südkorea gehört für uns zu einer der spannendsten Grenzen. Sie erinnert sehr an die Geschichte des geteilten Deutschlands, nur das es keine Geschichte ist, sondern die Realität. Da Reisen nach Nordkorea selbst nicht nur sehr schwierig und sehr teuer, sondern teilweise ziemlich gefährlich sind, schauen wir uns dieses spannende Land nur von Südkorea aus an. Wir machen einen Ausflug zur DMZ, der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea. Da die Geschichte zu diesem spannenden Ausflug diesen Artikel sprengen würden, hat Marius dazu einen eigenen Artikel geschrieben:

Nordkorea: Eine Reise an die gefährlichste Grenze der Welt

Einen Tag lang besuchen wir die demilitarisierte Zone von Nord- und Südkorea.

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Das alte Seoul: Paläste, Tempel und verwinkelte Gassen

In Seoul gibt es insgesamt fünf Paläste, in denen die Königsfamilie gewohnt hat. Jeder Palast ist umgeben von einem großen Palastgarten und oft gibt es auch rundherum schöne Tempel und Schreine! Neben den bekannten Palästen, Tempeln und Schreinen findest du aber auch immer wieder kleine Schreine zwischen den Hochhäusern.

Der Gyeongbokgung Palace

Die meisten Paläste haben am Montag geschlossen, die einzige Ausnahme ist der Gyeongbokgung Palace, der nur Dienstags geschlossen hat. Leider haben wir das Pech, dass unser erster Tag in Seoul ein Montag ist und der zweite ein Feiertag… So können wir uns nur den Gyeongbokgung Palace anschauen. Der Gyeongbokgung Palace ist nur zwei Minuten von der gleichnamigen Metrostation entfernt kostet 3.000 Won (etwa 2,40 Euro) Eintritt. Vor dem Palast werden wir von fünf Wachleuten empfangen, die in ihren bunten Mänteln irgendwie eher an einen Vergnügungspark erinnern, als an Wachmänner eines Palastes, ihre Aufgabe aber durchaus ernst nehmen.

Wachmann Gyeongbokgung Palace Seoul

Der Wachmann vor dem Gyeongbokgung Palace

Der Palast selbst ist beeindruckend und vor allem bei strahlendem Sonnenschein sieht er sehr schön aus. Im Hintergrund ragen die Berge des Bukhansan Nationalparks empor und das Ganze wirkt eher wie in einem kleinem Dorf, als in einer riesigen Metropole.

Bei den koreanischen und auch anderen asiatischen Touristen ist der Palast auch für Fotoshootings sehr beliebt. Vor vielen Attraktionen in Seoul kann man sich typisch koreanische Kleidung ausleihen und damit den ganzen Tag Fotos machen. Und so treffen wir den ganzen Tag Gruppen von jungen Asiaten, die versuchen das perfekte Foto zu machen.

Das Bukchon Hanok Village

In Seoul gibt es mehrere Stadtteile, die früher ein eigenes Dorf gewesen sind. Die Dörfer wurden so belassen und die Stadt einfach drum herum gebaut. So passiert es, dass du zwischen all den Wolkenkratzern auf einmal ein kleines Dorf mit süßen Häusern entdeckst. Das bekannteste dieser Dörfer ist das Bukchon Hanok Village. Es liegt zwischen dem Gyeongbokgung und dem Changdeokgung Palace auf einem kleinen Hügel.

Das schöne ist, dass diese Dörfer nicht einfach für Touristen erbaut wurden und man sich fühlt wie in einem Vergnügungspark. Die Häuser in dem Dorf sind wirklich bewohnt und zwischendurch finden wir immer wieder kleine Kaffees. Es fühlt sich an, wie durch eine Wohngegend zu laufen und in dieser gemütlichen Gegend mitten in einer der größten Städte der Welt würden wir auch gern wohnen…

Bukchon Hanok Village

Das Bukchon Hanok Village mitten in Seoul

Um das Bukchon Hanok Village herum, hat sich ein eigener Stadtteil gebildet, der uns besonders gut gefällt. Perfekt in das Bild des Hanok Village passen die kleinen Häuschen hinein. Sie bestehen aus Backstein und wirken ein bisschen wie aus einem Hipster Viertel in Berlin entsprungen. Überall gibt es kleine Boutiquen, nette Kaffees und viel grün. Das alles mitten in einer Millionenstadt! Seoul ist einfach unglaublich vielseitig und das merken wir in unseren Tagen dort immer wieder.

Typisch koranisch Essen: Food-Market und Korean BBQ

Die Koreaner sind bekannt für ihr gutes und vor allem außergewöhnliches Essen. Schweineinnereien gehören in Korea zu den Delikatessen, wir wollen das Ganze lieber nicht probieren… Aber anschauen wollen wir es uns natürlich trotzdem. Am Besten eignen sich dafür der Gwanjang und der Namdaemun Market. Beide Märkte sind recht zentral gelegen und den ganzen Tag über geöffnet. Hier wirst du genau das Gefühl erleben, was ich versucht habe zu Schildern: Mitten zwischen den Wolkenkratzern befinden sich auf einmal die schmalen Fußgängerzonen, in denen unzählige Stände aufgebaut wurden. An jeder Ecke riecht es unterschiedlich, mal ziemlich lecker und mal eher gewöhnungsbedürftig.

Ganz typisch koreanisch und auch in Deutschland sehr beliebt, ist das Korean BBQ, dass wir in Seoul an jeder Ecke finden und natürlich auch selbst ausprobieren müssen. In halboffenen Restaurants sitzt man an einem Tisch mit Grill in der Mitte. Das Fleisch sucht man auf der Karte aus und Gemüse wird immer wieder neu gebracht. Das Ganze grillt man dann selbst auf seinem kleinen Grill und trinkt dazu Sake, einen asiatischen Reisschnaps. Die jungen Koreaner treffen sich abends nach der Arbeit zum Korean BBQ und betrinken sich dabei mit Sake, anschließend geht es weiter in eine Karaoke Bar und am nächsten Morgen ohne Schlaf direkt wieder zur Arbeit. Kein Wunder, dass Koreas Wirtschaft in den letzten Jahren so aufgestiegen ist, bei den fleißigen Menschen! Da könnten sich manche Länder mal eine Scheibe von abschneiden…

Korean BBQ Seoul

Korean BBQ gehört in Korea natürlich auch dazu

Das neue Seoul: Shopping, Parks und ein Ausblick über die Stadt

Neben den ganzen alten Gebäuden und den verwinkelten Gassen gibt es in Seoul, wie in jeder anderen großen Stadt auch, die großen Shoppingstraßen mit den altbekannten Marken oder für uns unbekannten asiatischen Läden. Ein Geschäft größer, als das vorherige und das Ganze auch noch auf mehreren Etagen. Denn was macht man, wenn es zu wenig Platz gibt? Einfach auf mehreren Etagen bauen!

Seoullo 7017: Eine Grünfläche über der Stadt

Das beste Beispiel für die Platzproblematik ist Seoullo 7017. Seoullo 7017 ist eine Art Garten über der Stadt. Direkt am Hauptbahnhof wurden mehrere Wege über die Hauptverkehrsstraßen gebaut. Einige Parkbänke und viele Pflanzen und schon ist das Ganze eine Art Garten über der Stadt. Ganz schön kreativ die Koreaner und den Lärm der Straße hört man erstaunlicherweise wirklich kaum!

Myeong-Dong: Das Konsumviertel von Seoul

Natürlich darf ein bisschen Shopping auf einem Städtetrip nicht fehlen und nach neun Monaten Weltreise müssen wir sowieso die meisten unserer Klamotten austauschen. Nachdem wir das letzte Mal in Kalifornien so richtig shoppen waren, wird es also höchste Zeit und wir stürzen uns in Koreas größtes Konsumviertel: Myeong-Dong. Neben den bekannten amerikanischen Ketten, gibt es hier vor allem auch schöne asiatische Läden. Aber wir wären nicht in Korea, wenn es nicht auch hier verrückte Läden geben würde. Von riesigen Ständen mit bunten Socken bis zu Läden mit vollkommen unnötigen Accessoires und unglaublich lauter Techno-Musik ist wirklich alles dabei! Wir lassen uns einfach Treiben und von den verrückten Koreanern begeistern.

Besonders beliebt sind in Korea auch die Katzen-Cafés, die es scheinbar bald sogar in Deutschland geben soll. Am Eingang zahlst du einen Eintritt von meist etwa 10.000 Won (etwa 8,- Euro). Dafür bekommst du ein gratis Getränk und kannst so lange mit den Katzen kuscheln, wie du möchtest. Aus unserer Sicht ziemlich überteuert, aber es passt zu den verrückten Koreanern. Solche Cafés entdecken wir tatsächlich an jeder Ecke und auch mit allen möglichen Tieren, denn neben Katzen sind auch Meerschweinchen und Otter sehr beliebt!

Katzen-Café Seoul

Katzen-Cafés sind in Korea sehr beliebt

Der Namsan Tower: Ein Blick über die Stadt

An unserem letzten Abend wollen wir uns die Stadt einmal von oben anschauen. Der Lotte World Tower in Seoul besitzt eine der höchsten Aussichtsplattformen der Welt, doch der Eintritt ist mit 27.000 Won (etwa 21,60 Euro) nicht gerade günstig und der Tower liegt am anderen Ende der Stadt. So entscheiden wir uns für den N Tower, der im gleichnamigen Namsan Park mitten in der Stadt liegt. Da der Park viel mehr eine Art Hügel ist, hat man vom Turm aus einen guten Ausblick auf die Stadt und mit 10.000 Won (etwa 8,- Euro) ist er auch deutlich günstiger. Da wir uns die Stadt im Dunklen anschauen wollen, kaufen wir uns etwas leckeres zum Abendessen und genießen den Sonnengang über der Stadt vom Namsan Park aus. Durch den kompletten Park verläuft die ehemalige Stadtmauer von Seoul und auch von dort aus haben wir schon einen tollen Blick über die Stadt.

Zur Dämmerung steigen wir dann weiter den Berg hinauf, bis zum Eingang des Turms. Für den Weg solltest du etwa 45 Minuten einplanen, es gibt ansonsten aber auch eine Seilbahn, die dich für 6.000 Won (etwa 4,80 Euro) den Berg hinauf bringt. Bevor wir auf den Turm können, müssen wir übrigens etwa eine halbe Stunde auf den Aufzug warten. Solltest du also den Sonnenuntergang vom Turm aus anschauen wollen, plane genügend Zeit ein!

Seoul bei Nacht

Der Ausblick auf Seoul bei Nacht

Ein toller Abschluss unserer recht kurzen Zeit in der schönen Stadt Seoul! Das Besondere an Seoul ist die Kombination aus Alt und Neu, aus Tradition und Moderne. Eben noch stehen wir vor riesigen, gläsernen Wolkenkratzern auf der Kreuzung einer zehnspurigen Straße und im nächsten Moment quetschen wir uns durch winzige Straßen, bestaunen alte Paläste und taoistische Tempel, während es aus den Seitengassen nach Essen riecht, nur um uns kurz danach in einem Wirrwarr koreanischer Straßenschilder wieder zu finden, vor denen wir uns fühlen wie Erstklässler. Genau das ist für uns Seoul, eine Stadt die alles hat und doch so unterschätzt wird. Eine riesengroße Stadt, die trotzdem so unglaublich grün ist! Uns hat es sehr sehr gut gefallen und wir werden auf jeden Fall wiederkommen, dann mit etwas mehr Zeit und dann vielleicht sogar mit einem richtigen Abstecher nach Nordkorea?

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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  1. Barbara Herrmann

    am 25. Oktober 2018 um 11:06 Uhr

    Hallo,
    wirklich interessanter Beitrag.
    Ich flieg nächstes Jahr auch mit einer Freundin nach Seoul und mir is aufgefallen das wir die selbe Gastgeberin haben wie ihr und da wollte ich fragen wie sie so ist und so. :)

    1. Cosi

      am 25. Oktober 2018 um 21:10 Uhr

      Hallo Barbara,
      das ist ja ein lustiger Zufall! Lee war richtig nett und wir würden immer wieder bei ihr wohnen wollen. Die Unterkunft war total sauber und super gelegen, Lee hat uns jeden morgen Frühstück gemacht und hat uns sehr viele Tipps gegeben. Wir sind uns sicher, dass es euch gut gefallen wird bei ihr!

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