HongkongPasu Au Yeung (CC BY 2.0 Lizenz via Flickr)

Hongkong, der grüne Großstadtdschungel

Eine spontane Woche in der Sonderverwaltungszone Hongkong

Wie erkläre ich jetzt am Besten, was ich anstatt in Fiji in einer Hängematte zu sitzen, auf einmal in China mache? Die letzten Wochen bin ich mit Nadja von Insel zu Insel gesprungen und die Rundreise über die Yasawa-Inseln ging für sie langsam aber sicher zu Ende. Nur eine Insel vom Ausgangshafen auf dem Festland entfernt traf ich kurzerhand den Entschluss aus dem Bauch heraus, mit ihr nach Hongkong zu fliegen. Ein Taifun rollte auf die Fiji-Inseln zu und versprach schlechtes Wetter und nach vielen schönen Tagen auf den Inselchen dürstete es mir wirklich wieder nach einer Großstadt. Was lag da also näher, als spontan einen Zehn-Stunden-Flug nach Hongkong zu buchen und das chinesische Neujahr zu feiern und das Jahr des Pferdes willkommen zu heißen? Deshalb bin ich nun hier. Nach vier Monaten Ozeanien nun spontan wieder Asien. Das heißt: Quirlige und viele Menschen, volle Straßen, Gestank, günstiges Essen, Abenteuer! Alles das, was Australien und seine Nachbarn eben so gar nicht sind.

Wir checken ein in einem Hostel, das seinem Namen “Micro Hotel” wahrhaftig alle Ehre macht. Das Zimmer ist so klein, dass unsere Koffer nicht mal hineinpassen und selbst meine Weitwinkellinse es nicht fertigbringt, das Kabuff adäquat einzufangen. Macht aber auch nichts, dank des chinesischen Neujahres platzt die Stadt aus allen Nähten und wir dürfen in den nächsten Tagen insgesamt vier mal unser Hostel bzw. Hotel wechseln, es ist schlichtweg so gut wie nichts mehr frei. Dass ich wieder in Asien bin, merke ich schnell: Verrückte Menschen mit noch verrückteren Outfits und Gadgets soweit das Auge reicht. Irgendwie fremd aber doch lässt das mein kleines Nerdherz ein Stück höher schlagen. Und außerdem finde ich hier wieder ein Stückchen Heimat: Deutsches Bier!

Deutsches Bier in Hongkong

Endlich Erdinger!

Chinesisches Neujahr in Hongkong

Ein großer Vorteil des chinesischen Silvesters aus unserer Sicht ist die Tatsache, dass das Hauptfeuerwerk um acht Uhr abends am Folgetag beginnt und so müssen sich unsere zeitverschiebungsgeschundenen Körper nicht großartig wach halten als wir uns zusammen mit gefühlt einhundertmillionen kleiner wuseliger Chinesen im Schneckentempo zur Uferpromenade von Hongkong begeben. Das Feuerwerk ist gigantisch, grandios und absolut beeindruckend. Und obwohl unsere Sicht nun wirklich nicht die Beste ist, wird mich nach diesem Feuerwerk so schnell kein anderes mehr beeindrucken. Ein dutzend großer Feuerwerksschiffe ist auf der Wasserstraße zwischen den beiden Seiten Hongkongs auf einer länge von ungefähr einem Kilometer postiert und bläst eine halbe Stunde lang den gefühlten gesamtdeutschen Silvestervorrat in die Luft. Im Gegensatz zu den technikbegeisterten Asiaten lassen wir das Feuerwerk ohne große Aufnahmen auf uns wirken und genießen die Augenweide vor Hongkongs Skyline.

Chinesisches Neujahr

Chinesisches Neujahr. Stilecht.

Nach diesem besonderen Abend geht es für uns die nächsten Tage mit einem Hop-On-Hop-Off-Bus (der geneigte Blogleser dieses Blogs weiß mittlerweile, was das ist) durch die Metropole. Hongkong ist auf der einen Seite eine typische (leider sehr heruntergekommene) asiatische Metropole, auf der anderen Seite aber an vielen Stellen, gerade im Hinterland, eher ein gutsituiertes westliches Schickimicki-Dorf mit Promenaden, Flaniermeilen, Marktplätzen und kleinen Parks an wirklich sauberen und blaugrünen Stränden. Erstaunlich. Das hatte ich von Hongkong nicht erwartet, damit hebt sich die Stadt von allen bisher von mir erkundeten asiatischen Großstädten ab. Auch wenn Hongkong preislich deutlich über z.B. Bangkok, Hanoi oder Kuala Lumpur liegt, so ist das Preisniveau nach Monaten in Ozeanien wirklich eine Erleichterung, aus dem Bauch heraus ist die Stadt etwa 60-80% günstiger als deutsche Großstädte. Vielleicht gut zu wissen: Es gibt keine Steuern auf Waren, sodass sich Hongkong hervorragend zum Shoppen eignet.

Am nächsten klaren Tag nehmen wir die völlig überfüllte Peak-Tram den Berg hinauf, der hinter Hongkong aufragt und einen hervorragenden Blick auf die Stadt und die ganze Region bietet. Die fast 100 Jahre alte Tram quält sich für Touristen in einem erschreckend steilen Winkel den Berg hinauf, die Aussicht ist es aber mehr als wert!

Vom Aussichtspunkt auf der Spitze des Berges hat man einen herrlichen Rundumblick bis in das chinesische Hinterland, zahlreiche Adler lassen sich hier beim Flug zwischen den Wolkenkratzern beobachten. Immer wieder stürzen sie herunter und fischen sich wahrscheinlich eine Kanalratte aus den engen dampfigen Gassen. Wie auch von unten zeigt sich auch von hier oben, wie stark der Unterschied den verwinkelten Wohngegenden der gemeinen Bevölkerung und das hochgezüchtete Bankenviertel ist. Heruntergekommen, gegen blitzeblankpoliert, allen voran das Wahrzeichen der Stadt im folgenden Bild:

Wahrzeichen von Hongkong

Wahrzeichen von Hongkong

Angekommen im Hinterland von Hongkong geht es mit einer kleinen chninesischen Dschunke und einem urigen Bootsführer auf eine kleine Hafenrundfahrt. Er fährt uns vorbei an ausgesprochen hässlichen und verdreckten Wohnblöcken, das Wasser stinkt und ist mehr als trüb und dreckig. Highlight der Tour sollen die sogenannten Bootsmenschen sein, die seit Generationen auf ihren festgeankerten Booten im Hafen leben, keinen legalen Wohnsitz haben und auch keine Steuern zahlen, sich ein Parallelleben auf dem Wasser vor der Stadt aufgebaut haben. Das ist zwar interessant aber dann doch auch eher traurig als erfreulich. Schließlich möchte man ja in Berlin auch nicht wie in einem Zoobus durch den Wedding gekarrt werden, oder? Trotz allem ist auch das eine Erfahrung, die Laune ist gut und das Wetter ist es auch!

Und so verbringen wir die Tage in Hongkong halb im Tourbus, halb auf den Straßen der Stadt. Shoppen viel, essen viel, gammeln viel. Wir beide sind froh über ein wenig Großstadt, wenn auch ein wenig zu viel. Für Nadja geht es an diesem Abend zurück ins kalte Deutschland, ich werde meine Zelte nach fünf weiteren Tagen Hongkong wieder gen Fiji tragen und dort noch eine weitere Woche auf den kleinen Inseln verbingen. Was ein Abstecher, was eine Erfahung, was ein Luxus.

Hongkong

Hongkong Skyline bei Nacht

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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  1. Norman Förster

    am 21. März 2014 um 18:14 Uhr

    Was ein Kulturschock! Oder? Gut, dass es Erdinger gibt! Damit lässt der sich bestimmt gut erträglicher machen? ;-) Ich freue mich, nach so langer Zeit wieder etwas von Dir zu sehen und zu lesen. Schön, dass es Dir gut geht. Grüße aus Köln, wo gerade der Frühling anfängt.

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