Lissabon: Tausend Gassen, tausend Hügel

Drei Tage auf Entdeckungstour durch die portugisische Hauptstadt

Als Ryanair Ende letzten Jahres die Verbindung von Hamburg nach Lissabon in sein Streckennetz aufnahm und mit dem sensationellen Preisschild von 23 Euro je Flug versah, landeten sehr sehr schnell zwei Tickets in meinem Besitz. Wie sollte es auch anders sein: Lissabon, von vielen als eine der schönsten Städte der Welt bezeichnet, stand schon lange auf meiner Wunschliste und so kam mir dieses Angebot wie gerufen. Ryanair verbindet die Elbmetropole Hamburg mit den portugiesischen Städten Porto und Lissabon mehrmals wöchentlich zu Preisen ab 19,- bzw. 23,- Euro. Schnapper!

Rossio Lissabon

Sonne schon am frühen Morgen…

Es gibt tatsächlich noch Orte, die den Touristen auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt nicht finanziell schon die Hosen ausziehen, ehe sie auch nur einen Fuß in die Stadt gesetzt haben. Darf man in Sydney umgerechnet 12,- Euro und in Stockholm sogar ganze 30,- Euro hinblättern, genügt in Lissabon ein einfaches Ticket für schmale 1,40 Euro. Sehr fair! Die U-Bahn bringt die Fluggäste ohne größere Umschweife direkt in das Stadtzentrum. Nach etwa zwanzig Minuten Fahrt und einem Umstieg steigen wir neugierig die Treppen aus dem Untergrund hinauf. Der Rossio, ein großer und wunderschöner Platz im Herzen der Stadt, erstrahlt in hellem Weiß, die Nachmittagssonne scheint kräftig. Eine willkommene Abwechslung zum frostig-kalten Deutschland in diesen Tagen.

Das Klima im Spätwinter? Überraschend kühl…

Vor einigen Wochen brannte mir noch die römische Sonne bei nahezu zwanzig Grad auf den Pelz. Also, so dachte ich, müsste das doch wenige Wochen später im sonnengeküssten Portugal mindestens genau so warm sein. Pustekuchen! Lissabon in diesen Tagen wartete zwar mit einer üppigen Anzahl von Sonnenstunden auf, der Wind und die Luft im Allgemeinen jedoch ist in dieser zugigen Stadt mehr als frisch. So sehr man sich nach T-Shirt Wetter sehnt, von derlei Experimenten rate ich in den Wintermonaten dringend ab. Vor allem eine windstoppende Jacke möchte ich hingegen jedem Besucher ans Herz legen.

Lissabon Küste

Strahlender Sonnenschein auch im Winter! Nur kalt ist es…

Denn ist die Kälte des doch sehr frischen Atlantikwindes erst einmal unter die Kleidung gekrochen, wird man sie tatsächlich nur sehr schwer wieder los. Heizungen- und Heizkörpern sind hier übrigens schlicht nicht vorgesehen. Wie sich das anfühlt, nach einem durchgefrorenen Tag in ein eisiges Zimmer ohne Heizung zu kommen, kann sich jeder vorstellen. Da hilft dann auch eine herbeigeschaffte Elektroheizung nicht, die Kälte steckt in den Gemäuern. Im Frühling und Sommer aber sieht das natürlich ganz anders aus: Das maritime Klima verschafft der Stadt Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad, heizen ist selbstverständlich nicht nötig und dem T-Shirt Look steht nichts mehr im Wege.

Tram Innenstadt

Mit der Tram gen Innenstadt

Eine der schönsten und für Lissabon charakteristischsten Szenerien begegnet uns gleich nach der Ankunft in unserer Unterkunft nur unweit des Rossio: Die Ascensores de Lisboa (Aufzüge von Lissabon) verbinden seit dem späten 19. Jahrhundert die höher gelegenen Teile der Altstadt mit den tiefer gelegenen. Die Steigungen von bis zu 25% konnten von den damaligen Zugpferden der noch nicht elektrifizierten Straßenbahn schlichtweg nicht erklommen werden. So schlängeln sich seitdem winzige knallgelbe Wagen die kleinen charmanten Gassen entlang.

In nur wenigen Minuten erreichen wir mit den Ascensores den Altstadtkern. Schnell wird klar, warum die Portugiesen Lissabon „die weiße Stadt“ nennen: Die weiße Verputzung der alten Häuser lässt die gesamte Umgebung in einem hellen Licht erstrahlen. Und auch durch seine doch erstaunlich hügelige Lage gelangt besonders viel Sonnenlicht selbst in die entlegensten Gässchen. Die Stadt ist voller Licht und gefühlt an jeder Ecke voller Leben, das gefällt!

Gentrifizierung: Der Fluch Lissabons

Doch der Schein trügt. Erstaunlicherweise hat die Stadt in den letzten Jahrzehnten einen erschreckenden Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen: Für jeden Zuzügler verließen zwei Menschen die Stadt. Grund hierfür dürfte wie auch in Deutschland der massive Preisanstieg der Wohnräume sein. Und so stehen viele der traumhaft (!) schönen Altbauten in den tollsten Innenstadtlagen schlichtweg leer. Erschwerend kommt hinzu, dass das portugiesische Gesetz bis vor kurzem dem Mieter ein quasi unbefristetes Mietrecht auf Lebenszeit gewährte. Somit wurde auch kein Geld in die Instandhaltung investiert. Das Resultat sind nun stark sanierungsbedürftige und leerstehende Prachtbauten in wunderschöner Innenstadtlage.

Graffiti Lissabon

Viel Sanierungsbedarf in Lissabon

Viel für wenig: Gute Preise in Lissabon

Ein zumindest für den Touristen positiver Effekt aus dieser städtischen Misere ist das mehr als anständige Preisniveau. Für eine europäische Hauptstadt mit einer solchen Schönheit und Lebensqualität, wie sie Lissabon besitzt, liegen die Preise für uns Deutsche wirklich im grünen Bereich. Für nur drei bis fünf Euro gibt es ein ausladendens Frühstück. Ein großes Bier (0,5l) gibt es schon ab Preisen zwischen einem und zwei Euro. Auch ein unfassbar schmackhaftes Sushi All You Can Eat a la Carte für etwa neun Euro zeigt, wie gut man in Lissabon schlemmen kann. Für etwa vier Euro gibt es ein Tagesticket, welches zu beliebig vielen Fahrten im gesamten Stadtgebiet berechtigt. Auch Taxifahren ist in Lissabon und im Umland zu erträglichen Preisen möglich.

Tram Lissabon

Allgegenwärtig: Die niedlichen Trams der Stadt

Nachts tanzt die Stadt…

…doch leider nicht im Winter. Zu unserem Besuch in den Wintermonaten herrschte in den Ausgehvierteln der Stadt leider gähnende Leere. Ich habe mir aber sagen lassen, dass Lissabon im Sommer bis zur Morgensonne vor feierwütigem Volk nur so strotzt! Betrachtet man die verrammelten und geschlossenen Clubs und Bars in dieser Jahreszeit, kann ich mir das nun wahrlich vorstellen. In Lissabon im Sommer geht ganz sicher die Post ab! Wem also an einem turbulenten Nachtleben zu mehr als erschwinglichen Preisen gelegen ist, für den ist die Stadt in den Sommermonaten die richtige Adresse.

Denkmal Lissabon

Denkmal der Entdeckungen

Cascais: Stadtnahe Idylle vor den Toren Lissabons

Etwas mehr als 30 Kilometer westlich vor den Toren Lissabons liegt Cascais. Zwar ist das Örtchen mit seinen etwas mehr als 35.000 Einwohnern eher als Naherholungsgebiet der Schönen und Reichen zu beschreiben, aber auch Ottonormalbürger und -besucher sind hier gern und oft gesehen. Mit dem Zug in etwa einer halben Stunde ist der idyllische Strandort bequem zu erreichen. Wer schon einmal in Ostseeorten wie zum Beispiel Timmendorfer Strand unterwegs war, der wird das Prinzip der malerischen kleinen Hochpreisstrandorte bereits kennen und sich in Cascais auch gleich wohlfühlen. Durchzogen von kleinen Gassen mit zahllosen Cafés lädt das Städtchen zu einem entspannten Nachmittagsbummel ein. Denn so schön Lissabon auch ist, Idylle sucht man zumindest im Stadtkern vergeblich. Gut, dass es hier Orte wie Cascais gibt.

Cascais Lissabon Marktplatz

Cascais vor den Toren der Stadt

Was hat Lissabon denn nun zu bieten?

Selbstverständlich kann ich nicht von mir behaupten, den „Geist“ einer Stadt in so wenigen Tagen entdecken zu können aber man fragt sich zu Recht, was man sich als Kurztriptourist denn in Lissabon eigentlich so angucken soll. Singapur hat seine beeindruckende Marina, Kuala Lumpur die mächtigen Petronas Towers und Wien seine pompösen Schlösser. Aber womit kann Lissabon aufwarten?

Lissabon Ausblick

Erste Anzeichen von Frühlingswärme schon zu Jahresbeginn

Eine meiner engsten Freundinnen wohnt in Lissabon und so hatte ich die einmalige Gelegenheit, ein wenig tiefer in die Seele Lissabons eintauchen zu können. Sie mit ihrer langen und ich mit meiner kurzen Sicht auf Lissabon stimmen jedoch im Wesentlichen überein: Lissabon muss man lieben können und lieben wollen. Die Metropole bezieht ihren Charme „zwischen den Zeilen“ Es gibt nicht das Merkmal das weit mehr als zwei Millionen Touristen jährlich in die weiße Hafenstadt lockt. Es sind die verwinkelten Gassen, die hügeligen Parks, die niedlichen Cafés, die wassernahen Plätze und die tollen Ausblicke auf den vielen Hügeln, die Lissabon so attraktiv machen. So kommt es auch, dass man mitunter einige Wochen oder Monate braucht, bis man die Stadt als solche anfängt zu schätzen und sich wohl zu fühlen. Mit nur wenigen Tagen im Gepäck ist es daher mein Tipp, sich mehr auf die Atmosphäre und die kleinen Details der Stadt einzulassen, als vielmehr einen Reiseführer zu verschlingen und so viele Sightseeing-Highlights abzuklappern wir nur möglich. Ein Großteil der Sehenswürdigkeiten der Stadt ist bequem fußläufig zu erreichen und so kann man sie schlendernd und gemütlich entdecken. Lissabon ist ein Gefühl. Dieses zu entdecken braucht ein wenig Muse. Die Portugiesen verfügen neben erstaunlich guten Backfertigkeiten im übrigen auch über eine vorzügliche Winzerkunst. Auch wenn man auf den Straßen der Stadt keinen Alkohol konsumieren darf: Bei wem sich auch nach einigen Tagen das Gefühl Lissabon noch nicht so richtig einstellen mag, der kann ihm mit einem gemütlichen portugiesischen Vinho Verde ganz ganz sicher auf die Sprünge helfen.

Wein Gläser Strand

Vinho Verde am Strand

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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