Die W├╝ste Indiens: Von Kamelen und dem Holi-Festival

Wir reiten auf Kamelen und erleben das Holi Festival in der goldenen Stadt Jaisalmer

Karte
Unsere Unterk├╝nfte
Tanisha Heritage Haweli Bikaner

Tanisha Heritage Haweli Bikaner

Sehr guter Ausgangspunkt f├╝r W├╝stentouren
Hotel Mahadev Palace Jaisalmer

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Sch├Ânes Hotel mit Pool vor den Toren der Altstadt von Jaisalmer
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Eines der Dinge, auf die ich mich in Indien am meisten gefreut habe, ist das Kamelreiten in der W├╝ste. Mit viel Vorfreude geht es f├╝r uns sp├Ąt am Abend von Delhi aus mit dem Nachtzug nach Bikaner, eine Stadt im Westen Indiens. Da wir Land und Leute kennen lernen wollen, versuchen wir immer mit den lokalen Transportmitteln zu fahren und so darf der Nachtzug nat├╝rlich nicht fehlen! Wir sind beide bereits in Thailand Nachtzug gefahren, doch dort haben wir mitten zwischen anderen Touristen geschlafen. Dieses Mal liegen wir zwischen einer Gro├čfamilie, nicht wie in Deutschland, in einzelnen Abteilen, sondern alle Leute in einem gro├čen Wagon. Immer wieder wird das Licht angemacht, da jemand aussteigen m├Âchte, Betten werden getauscht, es wird viel geredet und immer wieder l├Ąuft ein flei├čiger Verk├Ąufer durch den Zug, um mitten in der Nacht Chai Tee zu verkaufen: "Chaaai, Chaaai, Chaaai" Wir bekommen kaum ein Auge zu, aber sind trotzdem froh um die Erfahrung!

Nachtzug Indien
Mit dem Nachtzug fahren wir von Delhi nach Bikaner

Ein Himmel f├╝r Nager: Der Rattentempel

Bikaner liegt im Westen Indiens, in der Thar W├╝ste, der siebent gr├Â├čten W├╝ste der Welt! Eines der Hauptsehensw├╝rdigkeiten in der Stadt ist der Rattentempel, den wir uns direkt nach der Ankunft anschauen. Daf├╝r allerdings braucht es eine gewisse Ekelresistenz denn auf dem Gel├Ąnde des weitl├Ąufigen Tempels leben sage und schreibe 30.000 Ratten und zwar freilaufend und ganz und gar nicht scheu. Zu allem ├ťbel muss der Tempel auch ohne Schuhe betreten werden, was bei uns Flipfloptr├Ągern darin resultiert, dass wir barfu├č sind. Wie viele Ausscheidungen 30.000 Ratten auf dem Boden produzieren, kann man sich vorstellen. Zum Gl├╝ck gibt's Stoff├╝berzieher beim Eingang, das Gef├╝hl ist dennoch mehr als verst├Ârend. Hier werden die Ratten angebetet, da sie als die Reinkarnation der verstorbenen Vorfahren betrachtet werden. Sie werden gef├╝ttert, verehrt und vermehrt. Insbesondere das Sichten einer wei├čen Ratte (die wir gesehen haben) wird als besonders gl├╝ckbringend beschrieben. Nun gut, das ist allemal eine Erfahrung, aber mehr als einmal muss das nicht sein.

Eine ├ťbernachtung in der W├╝ste

Nach einem entspannten Vormittag am Pool unseres Hotels, packen wir unsere Sachen und fahren mit Jeeps weiter in die W├╝ste hinein zu den Kamelherden. Bei unserer Ankunft liegen sie schon im Sand und warten auf uns. Die Kamele sind mit bunten Ketten dekoriert und deutlich gr├Â├čer, als ich es mir vorgestellt hatte. Etwa zwei Meter ├╝ber dem Boden sollte man definitiv Schwindelfrei sein.

Hotel Bhairon Vilas Bikaner
Das Hotel Bhairon Vilas ist ein alter Palast und hat einen wundersch├Ânen Pool!

Nach einer kleinen Einweisung und einem etwas wackeligen Aufstieg reiten wir los, durch den hei├čen, staubigen Sand und sind froh ├╝ber unsere Kopfbedeckung und das viele Wasser. Unsere erste Etappe dauert etwa zwei Stunden und wir genie├čen diese sch├Âne Erfahrung. Die W├╝ste ist deutlich gr├╝ner als gedacht und wir sehen viele verschiedene Kakteen.

Immer wieder kommen wir an kleinen H├╝tten vorbei, aus denen uns Kinder freudig zu winken, einige versuchen auch sch├╝chtern ein Foto von uns zu machen. Zwischendurch halten wir in einem Dorf an, kaufen Wasser und lassen die Kamele trinken. Auch hier werden wir direkt von neugierigen Kindern belagert. Sie versuchen mit ein wenig Englisch nach unserem Namen zu fragen und wollen wissen, wo wir herkommen.

Die Mittagspause verbringen wir im Schatten eines gro├čen Baumes und genie├čen Curry und indisches Brot, gekocht von unseren Kamelf├╝hrern. Nach einer entspannten Stunde werden die Kamele wieder eingefangen und gesattelt: Weiter gehts! Nach weiteren drei Stunden erreichen wir dann (endlich) eine gro├če Sandd├╝ne, auf der unsere Zelte f├╝r die Nacht bereits aufgebaut sind. Das Reiten sind wir nicht gewohnt und so sind wir beinahe schon froh, als wir an unserem Ziel ankommen. Besonders Marius beklagt sich lauthals ├╝ber Schmerzen zwischen den Beinen. Verst├Ąndlich.  Zum Gl├╝ck fahren wir am n├Ąchsten Tag mit dem Jeep zur├╝ck nach Bikaner.

Der Himmel f├Ąrbt sich langsam rot und wir beobachten, wie die Sonne hinter den Sandbergen verschwindet. Wir liegen im warmen Sand und genie├čen etwas, dass es sonst in Indien viel zu wenig gibt: Ruhe! Nach einem leckeren Abendessen und einer kleinen indischen Tanzshow fallen wir m├╝de in unsere Betten und schlafen zum ersten Mal in Indien ohne Ohrst├Âpsel. Diese ewigen Weiten der W├╝ste und diese wunderbare Stille gefallen uns so gut, dass wir am Liebsten viel l├Ąnger geblieben w├Ąren, doch ein weiteres Highlight der Indienreise wartet auf uns und so geht es wieder zur├╝ck nach Bikaner.

Sonnenuntergang Thar W├╝ste
Der Sonnenuntergang ├╝ber der W├╝ste

Die goldene Stadt Jaisalmer

Fr├╝h am n├Ąchsten morgen geht es mit dem Zug weiter zum n├Ąchsten Stop unserer Rundreise, in die W├╝stenstadt Jaisalmer. Die Stadt sieht genauso aus, wie man sich eine Stadt in der W├╝ste vorstellt: Kleine H├Ąuschen aus Sandstein und oben auf dem Berg thront ein gro├čes Fort. Im Gegensatz zu anderen Forts in Indien, ist das Jaisalmer Fort bewohnt und gleicht von innen eher einer europ├Ąischen Altstadt, mit ihrem kleinen Gassen und unterschiedlichen H├Ąuschen. Inzwischen gibt es innerhalb des Forts auch viele Hotels und immer mehr Menschen versuchen dort hin zu ziehen, um ihr Geld mit dem Tourismus zu verdienen. Leider schadet der hohe Wasserverbrauch dem Sandstein und das gesamte Fort droht abzusacken. Um solche Probleme macht man sich in Indien leider niemand Gedanken und so hoffen wir, dass dieses alte Bauwerk trotzdem noch lange stehen bleibt!

Jaisalmer Fort
Das Jaisalmer Fort

Nach einem kurzen Spaziergang durch die alten Gassen, machen wir uns am sp├Ąten Nachmittag auf zum Gadi Sagar, eine Ansammlung von Pavillons an einem k├╝nstlich angelegten See. Viele Touristen fahren hier mit dem Tretboot herum, H├Ąndler verkaufen ihre Souvenirs und es herrscht insgesamt ein sehr buntes Treiben. Trotzdem ist es hier f├╝r indische Verh├Ąltnisse recht ruhig und wir beobachten das bunte Treiben aus einem der vielen Pavillons. Anschlie├čend fahren wir auch direkt weiter zu einem sogenannten Sunset Point, von dort aus hat man einen tollen Blick auf das gesamte Fort und sieht die Sonne hinter den Bergen untergehen.

Holi Festival: Das Fest der Farben

Als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden ist, haben wir noch etwas ganz besonderes vor, denn heute ist der Vorabend des Holi Festivals! Wir haben das Gl├╝ck und sind zum wohl bekanntesten Fest des Landes in Indien! Das Holi Festival ist das Fest der Farben und wird jedes Jahr zum Fr├╝hlingsanfang gefeiert. Am Vorabend z├╝nden viele Familien vor ihrem Haus ein Feuer an, um das B├Âse zu vertreiben, die S├╝nden zu verbrennen und gemeinsam mit dem Fr├╝hling neu anzufangen. Wir werden von einer Familie eingeladen und d├╝rfen Ihnen bei dieser Feier zuschauen.

Das Feuer ├Ąhnelt einem Osterfeuer, wie wir es von zu Hause kennen, nur das es hier noch mit Lametta geschm├╝ckt wird. Vor dem Anz├╝nden steckt die Familie Kokosn├╝sse in das Feuer, sie gelten als eine Art Opfergabe. Anschlie├čend wird das Feuer mit viel Musik und Gesang angez├╝ndet. Dazu verteilen einige Kinder leckeren Chai Tee. Und so sitzen wir mitten auf der dreckigen Stra├če, zwischen indischen Kindern und vielen K├╝hen, beobachten das Feuer und genie├čen unseren Tee! Es ist sch├Ân bei so einem Fest mitten unter Einheimischen zu sein und so das ÔÇ×richtigeÔÇť Holi-Fest zu erleben.

Am n├Ąchsten Morgen treffen wir uns recht fr├╝h im Garten des Hotels, um uns zu ÔÇ×bewaffnenÔÇť. Wir bereiten Wasserbomben und Wasserpistolen mit buntem Wasser vor und verteilen die Farbbeutel. Zum Einstimmen bewerfen wir uns schon mal ein bisschen mit den Farben, man will sich schlie├člich nicht komplett wei├č in die Menschenmengen st├╝rzen. Wir entscheiden uns, das Holi im Fort zu feiern und nicht zu einer der vielen Hotel-Partys zu gehen, um das richtige Holi zu erleben und mitten im Geschehen zu sein.

Das Holi Festival im Jaisalmer Fort

Los gehts also mit dem Tuk Tuk zum Fort. Schon auf der Fahrt gelangen wir in einige Farbschlachten und werden ordentlich mit Farben beworfen. Die Stimmung ist ausgelassen, denn w├Ąhrend des Holi Festes werden alle Bev├Âlkerungsschichten und Kasten ignoriert: Jeder feiert mit jedem und das ist ein sch├Âner Bestandteil des Festes! Egal ob jung oder alt, wirklich jeder Inder scheint auf der Stra├če zu sein. Schon die Kleinen rennen mir Wasserpistolen umher und nicht selten bekommen wir eine Wasserbombe auf den Kopf, die jemand aus einem der vielen Fenster geworfen hat! Auch K├╝he und Hunde laufen auf der Stra├če herum und werden mit Farben beworfen.

Holi Jaisalmer Indien
"Happy Holi" rufen uns die vielen Kinder zu

Wir sind unterwegs mit einem Guide, da das Fort aus tausenden kleinen Gassen besteht und man sich sehr schnell verl├Ąuft. Er ist im Fort selbst aufgewachsen und kennt sich daher Bestens aus. So zeigt er uns auch kleine Mauern hinter denen wir uns verstecken k├Ânnen, um vorbei laufende Menschen mit den Farben zu bewerfen. Das Fort eignet sich Bestens f├╝r den Holi Spa├č, da kaum Autos umherfahren und es einfach nicht so voll ist, wie beispielsweise in Delhi.

Holi Jaisalmer Indien
Wir feiern Holi mit Blick auf Jaisalmer

Wir f├╝hlen uns ein wenig wie beim Paintball in einer alten Ritterburg. Stundenlang laufen wir durch die Gassen, schlucken tonnenweise Farbpulver und sauen uns komplett ein, aber an so einem Tag geh├Ârt das einfach dazuÔÇŽ Immer mal wieder l├Ąuft irgendwo Musik und wir bleiben ein wenig, um zu tanzen. Leider k├Ânnen wir uns in dem ganzen Trubel das Fort nicht im Detail anschauen, aber das Holi Festival in Indien zu erleben war eines der Highlights unserer kompletten Weltreise und das tr├Âstet in jedem Fall dar├╝ber hinweg, das Fort nicht komplett gesehen zu haben.

Holi Festival Indien
Das Holi Festival: Ein Highlight unserer Reise!
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