Karijini

Karijini: Australiens einsamster Nationalpark

Der Karijini Nationalpark und unser Besuch bei Prinz Leonhard von Hutt River

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Stefan Loose Reisef├╝hrer Australien

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Gut, dass wir mutig waren. N├Ârdlich von unserem Stop drohte unsere Reise schon zu platzen. Mehrere Reisende berichteten uns von einer nie da gewesenen Sandfliegen-Invasion im Norden der Westk├╝sten. Genau der Norden, wo wir uns die n├Ąchsten zwei Wochen aufhalten wollen. Sandfliegen sind per se erst einmal ungef├Ąhrlich, ihre Stiche jucken allerdings erb├Ąrmlich und dutzendfach schlimmer als ein normaler M├╝ckenstich. Auch h├Ąlt der Juckreiz ├╝ber Wochen an und die Biester sind so klein, das sie m├╝helos durch Fliegengitter passen. Insektenmittel sind nahezu wirkungslos gegen sie und einmal eingenistet, wird man sie ├Ąhnlich schwer wieder los, wie BettwanzenÔÇŽ Ich selbst durfte auf der neuseel├Ąndischen S├╝dinsel schon mehrmals Bekanntschaft mit ihnen machen und hatte dementsprechend wenig Interesse, das noch einmal zu erleben.

Trotz der Warnungen entscheiden wir uns, gen Norden zu fahren. Zu viel Gutes haben wir von dort geh├Ârt und so weit in diese Einsamkeit wagt man sich wahrscheinlich an diesem Teil der Welt auch kein zweites Mal, daf├╝r ist es einfach zu abgeschieden.

Ich hatte mich ja in meinem vorherigen Artikel schon ausschweifend ├╝ber die Einsamkeit an diesem Teil der Erde ge├Ąu├čert aber sie ist es tats├Ąchlich, die hier das Bild der Landschaft, der Tiere und auch der Menschen bestimmt. Alles ist so unglaublich weit weg, so wahnsinnig einsam und dabei so wundersch├Ân. Wir wandern an dem bisher hei├česten Tag unserer Reise bei gnadenlosen 56 Grad in der Mittagshitze. Noch nie habe ich f├╝nf Liter Trinkwasser so schnell verbraucht gesehen. Selbst den K├Ąngurus ist es zu hei├č und so finden wir sie nur in der Ferne in ihren nat├╝rlichen H├Âhlen oder unter Schattigen B├Ąumen. F├╝r FlipFlops ist es zu hei├č, sie w├╝rden uns unter den F├╝├čen wegschmelzen. Der Ausblick und die gnadenlose Stille ist es aber wie immer auf diesem Kontinent absolut wert.

Nach diesem Stop an der Westk├╝ste Australiens schlagen wir die Abzweigung des North West Costal Highway gen Osten ein. Osten? Genau, es geht ins Landesinnere. Unser Ziel: Der Karijini Nationalpark. Tausende Kilometer einsames Geradeausfahren liegt nun vor uns. Zivilisation wird es hier noch weitaus weniger geben als sie uns an der K├╝ste begegnet ist. Der Sand wird roter, die Landschaft wird einsamer, monotoner aber nicht weniger sch├Ân. Geradeaus, unendlich geradeaus geht es. Ein Highlight dieser Route ist f├╝r uns die wahrscheinlich einsamste Toilette der Welt mitten im absoluten Nirgendwo:

Karijini
Die wohl einsamste Toilette der WeltÔÇŽ
Karijini
Unser Auto mitten im Nirgendwo

Gehalten wird auf strom-, wasser-, und menschenlosen, daf├╝r aber von Fliegen v├Âllig ├╝berv├Âlkerten Rastpl├Ątzen am Stra├čenrand. Diese Sandpisten am Stra├čenrand tauchen etwa alle einhundert Kilometer auf und bieten den wenigen Fernfahrern die M├Âglichkeit, nicht ├╝berm├╝det mit einem 60 Meter langen Lastwagen (Roadtrain) diese enormen Strecken bew├Ąltigen zu m├╝ssen. Gekocht wird auf einem Gaskocher, geduscht ÔÇôwenn ├╝berhauptÔÇô mit vorher abgef├╝lltem Leitungswasser. Man glaubt gar nicht, wie schwer es sein kann, mit nur drei Litern Wasser zu duschen. Sich danach sauber f├╝hlen: Ein Ding der Unm├Âglichkeit.

Karijini
Termitenh├╝gel in der absoluten Einsamkeit

Der Karijini Nationalpark

Tausende Termitenh├╝gel s├Ąumen das Landschaftsbild von Horizont zu Horizont, als wir nach tagelanger Fahrt ins Landesinnere den ber├╝hmten Karijini Nationalpark betreten. Er bietet eine spektakul├Ąre, raue Kulisse mit uralten geologischen Formationen. Er erstreckt sich ├╝ber 6.274 Quadratkilometer und ist damit einer der gr├Â├čten Nationalparks Westaustraliens. Die trockene, staubige Steppe dieses Hochplateaus wird durchzogen von spektakul├Ąren Flussl├Ąufen, die pl├Âtzlich in hunderte Meter tiefe tiefe Schluchten st├╝rzen und Bassins f├╝llen, in denen das klare, frische und erstaunlich k├╝hle Wasser f├╝r eine einzigartige Flora und Fauna sorgt.

Karijini
Sch├Âner einsamer Karijini NationalparkÔÇŽ

Vier Tage halten wir uns im einsamen Karijini Nationalpark und der angrenzenden Kleinstadt, mit dem etwas seltsamen Namen Tom Price, auf. Einige spektakul├Ąre Ausblicke warten auf uns, die Hitze und vor allem die au├čergew├Âhnliche Trockenheit dieser Saison zwingen uns aber schon bald zum gem├Ąchlichen R├╝ckzug. Sandfliegen gab es ├╝brigens absolut gar keine. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Principality of Hutt River

Was macht man, wenn man eine Farm mit der Grundfl├Ąche von Hongkong besitzt, sein ganzes Leben noch vor sich hat, ein Eigenbr├Âtler ist und zudem noch seit Jahren mit der Regierung seines Landes im Streit liegt? Richtig! Sein eigenes Land gr├╝nden und das auch noch ernst meinen. So geschehen vor fast vierzig Jahren am beschaulichen Fl├╝sschen Hutt River irgendwo im Niemandsland zur├╝ck in der "N├Ąhe" der australischen Westk├╝ste. Drei├čig Menschen und drei├čigtausend Schafe sollen hier leben. Das lese ich, als wir nach einer gef├╝hlten Ewigkeit ├╝ber einsame Staubstra├čen an der "Landesgrenze" einrollen. Wir entdecken genau einen Menschen und das ist Prinz Leonhard von Hutt River. Ein faszinierender alter Mann, Staatsoberhaupt und Staatsgr├╝nder von Hutt River. Er freut sich sehr ├╝ber unseren Besuch und gibt uns neben einer Privataudienz auch gleich einen kleinen Rundgang durch sein Museum, die Geschichte seines Staates und sein pers├Ânliches Schicksal. So sehr hier auch der Gedanke aufkommen mag, man habe es mit einem schrulligen alten Mann zu tun, so aufgeweckt ist er aber doch. Und er meint es tats├Ąchlich Ernst: Eigene Flagge, eigene W├Ąhrung, eigene Briefmarken, eigener Staats-Rolls-Royce, eigene Religion ja sogar ein Rotes Kreuz gibt es in Hutt River nebst eigener Spendenbox.

So viel, wie man in seinem kleinen Souvenirshop kaufen m├Âchte, kann man gar nicht tragen. An die Bequemlichkeiten Australiens durch eine Kreditkarte gew├Âhnt, k├Ânnen wir hier nur knapp vierzehn australische Dollar lassen denn nat├╝rlich hat hier keine Australische Bank einen Automaten oder eine Telefongesellschaft ein Kabel gelegt, es ist schlie├člich nicht wirklich AustralienÔÇŽ Eigentlich ist es das schon aber nach langem hin und her hat sich der Staat Western Australia dazu hinrei├čen lassen, dem Staatsmann die Staatsb├╝rgerschaft zu entziehen und ihn fortan dort im Outback sein Ding machen zu lassen. Mit seinen alternden H├Ąnden bl├Ąttert Prinz Leonhard lebhaft und beeindruckt durch meinen mittlerweile prallgef├╝llten Reisepass, l├Ąchelt, als er den australischen Einreisestempel sieht und sagt mir mit einem breiten Grinsen auf den Lippen: "Daneben setze ich meinen Stempel besonders gerne!" und stempelt mir promt einen Einreisestempel f├╝r die Hutt River Province in den Pass. Dieses Recht hat er von der australischen Regierung tats├Ąchlich erstritten und so darf ich mich jetzt mit dem wohl seltensten Einreisestempel der Welt r├╝hmen. Eine wundervolle Geschichte und ein beeindruckender und gar nicht so verr├╝ckter Mann!

Prinz Leonhard
Handshake mit Prinz Leonhard

Wenn es am sch├Ânsten istÔÇŽ

Schon seit l├Ąngerer Zeit begleitet mich trotz all der wundervollen Erfahrungen, toller Momente und dankbaren Augenblicke ein relativ zerm├╝rbender Mix aus Reisem├╝digkeit und Hummeln im Hintern. Dieses Gef├╝hl wurde in den letzten Monaten kontinuierlich st├Ąrker und so beschlie├če ich nach langem Z├Âgern, meine Reise fr├╝her enden zu lassen. Fast zehn wundervolle Monate voller magischer Momente und toller Menschen haben so viele Erinnerungen und Erlebnisse in mir gefunden, dass ich nicht mehr f├Ąhig bin, Neues aufzunehmen. Eine gro├če Zusammenfassung nebst Abschlussvideo wird hier nat├╝rlich in K├╝rze folgen!

Die Entscheidung f├Ąllt an einem hei├čem Tag im australischen Niemandsland. Wieder ein staubiger Weg, links und rechts ges├Ąumt von hohem, trockenen Gras. Die Sonne steht hoch, die Sch├Ąfchenwolken ziehen rasch. Dies ist ein sch├Âner Ort und dies ist ein sch├Âner Weg. Aber es ist ein Weg zu viel. Wie sagte Goethe noch?

"Man reist ja nicht um anzukommen, sondern um zu reisen."

Karijini
Es war ein weiter Weg aber manchmal muss man umdrehenÔÇŽ
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