Ko Samui, die vergangene Perle

Das ist also das berühmte Ko Samui? Tourismus, Natur und wie man es nicht macht

Ich erinnere mich: Als wir vor zehn Tagen auf Ko Phangan ankamen, hieß es „Ko Phangan! Diese Insel hat sich ihren Charme bewahrt.“. Ich hörte es und fragte mich, wo dieser Charme denn nun geblieben ist. Entdeckt haben wir ihn erst mühsam zum Schluss unseres Besuches. Jetzt, hier auf Ko Samui, kann ich diesen Ausspruch nachvollziehen. Nach fünf Tagen Ko Samui sieht man selbst die unästhetischeren Ecken Ko Phangans in einem anderen Licht.

Unsere Ankunft auf Ko Samui

In den 1980er Jahren noch als geheimer Tipp unter Thailandreisenden gehandelt, bricht auf Ko Samui schnell ein wahrer Touristenboom aus. Es wird gebaut als gäbe es kein Morgen mehr, ohne Nachhaltigkeit und Rücksicht auf Verluste und Natur. Als dann 1989 der Flughafen der Insel eingeweiht wird, wird der Weg für die Massen endgültig geebnet. Ko Samui wird schnell das Ziel der Pauschaltouristen. Es darf wohl in eine Reihe gestellt werden mit Destinationen wie Palma de Mallorca, Lloret de Mar oder Phuket. Während man diesen Wahnsinn auf Ko Tao von Anfang an zu verhindern weiß, bekommt man auf Ko Phangan gerade die Kurve. Doch für Ko Samui kommt jede Hilfe zu spät. Also liebe zukünftigen Thailand-Reisenden: tut euch selbst einen Gefallen und macht in Ko Samui nicht mehr als mit dem Flugzeug landen und dann in Richtung der wirklich schönen Inseln reisen!

Sonnenuntergang Ko Samui

Sonnenuntergang über den Dächern Ko Samuis

Dennoch: Wir machen das Beste draus! Denn das mit dem spontanen Reisen ist so eine Sache in Südthailand in der Hauptsaison. Einmal auf einer Insel gestrandet muss man dort natürlich auch wieder herunter kommen. Die Fähren aber sind gerne mal auf Tage bis Wochen ausgebucht. Und ohne Fähre kommt man nun mal nicht zum Festland. Fünf Tage Ko Samui stehen nun auf dem Plan. Es geht nicht vor und nicht zurück, also muss es eben weiter gehen! Amelie findet an dem arg bunten, lauten und touristischen Treiben direkt vor unserer Haustüre schnell Gefallen, für mich ist das heute jedenfalls nichts. Froh über eine Klimaanlage, ein bequemes Bett und eine ziemlich zackige Internetverbindung beschließe ich, den Ankunftsabend in Ruhe nach einer verdienten Dusche im Hotel zu verbringen, Weitere Buchungen zu ordern, Überweisungen zu tätigen, Mails zu beantworten, Bilder zu verschlagworten und und und. Ja, auch hier gibt es mal Bürotage, die Welt bleibt ja nicht stehen…

Am nächsten Morgen wache ich auf und Amelie ist nicht da. Wir abgesprochen lese ich aber auf meinem Handy, dass sie in einer Bar in der Nähe versackt ist und dort einen großen Haufen netter Leute kennengelernt hat. Schwupps, da ist der Abend ein Morgen. Gegen 11 Uhr trudelt sie dann auch ein und sieht ziemlich fertig aus. „Changover“ nennt man das hier in Thailand. Das im Land sehr beliebte Chang Bier hat entgegen unserer Gewohnheiten 6,8% Alkoholgehalt, das führt dann sehr schnell dazu, dass man sich in seiner Trinkmenge doch ordentlich verkalkuliert.

Es versteht sich also von selbst, dass wir Tag ruhig angehen lassen. Im Osten der Insel angesiedelt, fahren wir mit unseren Mofas gen Süden. Dort befindet sich ein Highlight der Insel: Ein achtzig Meter hoher Wasserfall. Genau das Richtige, um nach einem Changover und bei 38 Grad Temperatur den Tag zu verbringen. Die letzten 300 Meter müssen wir dann doch zu Fuß zurücklegen. Leichter gesagt als getan denn es geht über Stock und Stein, hoch und runter, über Seile und unter Büsche. Mit FlipFlops und teurer Kamera in der Hand kein leichtes Spiel. Dementsprechend groß ist dann auch die Enttäuschung, als wir am Wasserfall ankommen. Ich würde es eher als einen Bach am Hang bezeichnen. Achtzig Meter mögen es sein, aber das ist nun wirklich kein Wasserfall. Aber hey, für Touristen gibt es hier natürlich mal wieder alles!

Ko Samui

Big Bhudda

Am nächsten Tag fahren wir in den Norden der Insel, dort steht in einer alten Tempelanlage ein 12 Meter hoher goldener Bhudda. Bei strahlendem Sonnenschein erklimmen wir auch hier die Stufen. Als Zeichen der Ehrerbietung ist es in Thailand üblich, die Schuhe bei jeder Gelegenheit auszuziehen. Das reicht von der Imbissbude über den Kiosk und Ramschladen, bis natürlich hin zum Tempel. Die Schuhe ausgezogen merken wir schon nach wenigen Metern: Die Stufen sind verdammt heiß! Die nächsten fünfzig Meter werden somit zum absolut lächerlich anmutenden Spießrutenlauf in Richtung des großen Bhudda. Auch andere Besucher machen es uns gleich und tänzeln unter dem Ausruf multikultureller Flüche die Stufen hinauf. Blasphemie!

Zurück am Boden frühstücken wir erst einmal auf dem vorgelagerten Platz und lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen. Diese meine liebe Sonne ist uns in den letzten Tagen sehr gewogen gewesen und wird uns auch während unseres Aufenthalts auf Ko Samui endlich von morgens bis abends begleiten! Gefällt uns sehr!

Freedom Beach: Das Juwel von Ko Samui

Am Folgetag beschließen Amelie und ich, mal auf jeweils eigene Faust den Tag zu verbringen. Nicht, weil wir uns nicht verstehen, sondern viel mehr, weil es eben auch mal sein muss. Während Amelie sich also wieder in die touristischen Fluten stürzt, fahre ich in den Norden der Insel auf der Suche nach einem schönen und möglichst einsamen Strand. Vielleicht mit einer Bar und ein paar wenigen Gästen. Es muss doch irgendwo auf dieser Insel einen schönen Fleck geben… Und ja es gibt ihn: Freedom Beach!

Freedom Bar

Freedom Bar

Erkennbar nur durch ein absolut winziges Schild an eine einzigen Laterne, welches auf einen Trampelpfad den Berg hinauf zeigt. Genau das hatte ich gesucht! Langsam bekomme ich ein Näschen für die abgelegenen Orte. Und es enttäuscht mich auch diesmal nicht: Ein einsamer Strand, eine kleine und wunderschöne Bar. Prompt niedergelassen, Shake bestellt, WiFi-Passwort ergattert und die Gelegenheit genutzt, bei wunderschönem Ausblick ein paar Telefonate nach Hause zu führen und die ersten Zeilen dieses Artikels zu verfassen. Wenn das mal kein „Arbeitsplatz“ ist?

So lässt es sich leben, so lässt es sich aushalten. Ich merke regelrecht, wie die Anspannung der letzen Tage und die Enttäuschung über die Insel verschwindet. Da kommt mein Kokosnuss-Shake, serviert von einem freudestrahlenden Thai. Tolles Volk, wirklich. Nur ein bisschen leichtes und sehr entspanntes Reggae durchbricht das Rauschen des Meeres. Westseite der Insel. Sonnenuntergang. Strike!

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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