Mandalay: Die letzte Königsstadt von Myanmar

An unserem ersten Stop im Land der Tempel fühlen wir uns auf Anhieb wohl

Schon lange stand Myanmar bei Marius und mir gaaanz weit oben auf der Wunschliste und so war es klar, dass wir dieses Land während unserer Weltreise besuchen müssen! In den letzten Wochen nutzten wir Chiang Mai im Norden Thailands als eine Art „Basis“ um uns von dort aus Laos anzusehen und auch bei unserer Reise nach Mandalay, im Norden von Myanmar, dient uns Chiang Mai als Ausgangspunkt. Mehr über Chiang Mai und Nordthailand findest du in diesem Artikel:

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Doch von Anfang an: Um nach Myanmar einreisen zu können, musst du vorher ein E-Visum beantragen (50,- USD pro Person). Meist wird es nach etwa 2-3 Tagen bestätigt und du nimmst den Ausdruck mit zum Flughafen. Alle Sticker-Sammler müssen wir enttäuschen: Leider gibt es in Myanmar nur einen langweiligen Stempel und keinen schönen Aufkleber, wie etwa in Laos oder Kambodscha. Nach etwa 1,5 Stunden Flug kommen wir am Flughafen von Mandalay an, heben Geld ab, besorgen uns eine SIM-Karte (Ooredoo) und steigen in ein Shared-Taxi. Die Taxen nehmen bis zu acht Personen mit, warten aber selbstständig, bis sie voll sind. Du musst dir also nicht im Vorfeld Mitfahrer suchen. Aus irgendeinem Grund ist der Flughafen unfassbar weit weg von der Stadt gelegen, sodass man über eine Stunde fahren muss. Der Preis ist mit 4.000 Kyat (etwa 2,45 Euro) pro Person aber mehr als fair.

Unsere Unterkunft, das Hotel Boss (Der Name ist Programm), liegt recht zentral und wir werden direkt freundlich empfangen. Mit Begrüßungsgetränk, Gepäckträger und so weiter fühlen wir uns wie in einem 5-Sterne-Hotel und nicht wie in einer Unterkunft, die gerade einmal 10,- Euro die Nacht pro Person kostet. Überhaupt sind in Myanmar die Unterkünfte nicht teuer, gemessen daran, wie groß und neu die Hotelzimmer meist sind! Das Hotelpersonal ist unglaublich nett und bemüht, jeden einzelnen Wunsch zu erfüllen. Und, wie wir später feststellen, ist das in unserem Hotel keine Ausnahme. Die gesamte Bevölkerung Myanmars stellt sich als unfassbar freundlich und hilfsbereit heraus und spricht zudem noch richtig gut Englisch. Wenn du dachtest, die Thais seien die nettesten und freundlichsten Menschen, dann musst du unbedingt nach Myanmar kommen, denn die Burmesen sind einfach nur richtig süß!

Mit dem Fahrrad durch Mandalay

Nach einer erholsamen Nacht und einem leckeren Frühstück auf der Dachterrasse nutzen wir die (kostenlosen) Fahrräder des Hotels, um die Stadt zu erkunden. In Mandalay herrscht ein recht buntes Verkehrschaos aus Autos, TukTuks, Traktoren, Motorrädern, Fahrrädern, Pferdekutschen und Fußgängern. Mit dem Fahrrad da durch zu fahren ist am Anfang recht gewöhnungsbedürftig. Vor allem, weil es in Myanmar üblich ist, zu hupen, sobald man jemanden überholt oder abbiegt. Und so ist das Ganze nicht nur trubelig, sondern auch noch ziemlich laut. Doch wir gewöhnen uns recht schnell daran und finden Spaß am Radfahren durch das Verkehrschaos.

Am Flussufer des Irrawaddy beobachten wir das Treiben der Einheimischen: Fischer auf ihren kleinen Holzbooten, Wäsche waschende Frauen, spielende Kinder und mittendrin Kühe, Schweine, Hunde oder Katzen. Wir sind die einzigen Touristen und ziehen natürlich sofort die Aufmerksamkeit auf uns, doch trotzdem ist es nett einen Einblick in das Leben der Menschen vor Ort zu bekommen.

Weiter geht’s zum Mandalay Palace. Der ehemalige Königspalast steht auf einem 2×2 Kilometer großem Grundstück und wird von einem Wassergraben umrandet. Für Touristen ist nur der Ost-Eingang zugänglich und man muss Fahrrad oder Motorrad draußen stehen lassen. Der Eintritt ist mit 10.000 Kyat (etwa 6,- Euro) für Myanmar nicht gerade günstig, aber die Eintrittskarte kann auch für viele andere Tempel genutzt werden, also unbedingt aufbewahren! Nachdem wir das Grundstück betreten haben, stellen wir fest, dass außer uns offensichtlich jeder mit dem Auto oder Motorrad fahren darf und wir Touristen die einzig doofen sind, die den Kilometer zu Fuß laufen dürfen… Außerdem ist bis auf die eine Straße alles mit Stacheldraht abgesperrt und wird scheinbar als Militärgelände genutzt – sehr eigenartig. Der Königspalast selbst ist ganz nett, aber aus unserer Sicht auch nicht besonders spektakulär, zumal der eigentliche Königspalast im Krieg völlig zerstört wurde und das jetzige Gebäude bloß eine Art Nachbau darstellt. Es gibt einen ganz netten Aussichtsturm, von dem man die Stadt überblicken kann, ansonsten gibt es nicht sehr viel zu sehen…

Nach einer Picknick-Pause am Wassergraben, an den wir uns eigentlich auch nicht setzen durften, wie wir hinterher durch einen aufgebrachten Beamten erfahren durften, fahren wir weiter zur Kuthodaw-Pagode, dem größten Buch der Welt. In der Mitte steht eine große, goldene Pagode mit vier goldenen Löwen an den Seiten. Rundherum befinden sich 729 kleine, weiße Stupas, die auf einem großen Fels, jeweils eine Seite des großen Buches enthalten. Früher war die Schrift vergoldet, heute ist sie nur noch schwarz, aber nicht weniger schön, denn die Sonne reflektiert auf dem Weiß und dem Gold und taucht alles in ein schönes Licht!

Der Sonnenuntergang vom Mandalay Hill

Am Abend wandern wir auf den Mandalay Hill, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Der Aufstieg auf den Berg dauert mindestens eine halbe Stunde und immer wenn wir denken, wir wären oben angekommen, geht es doch noch weiter. Wir laufen durch verschiedene Tempel, alte Fabrikhallen und heruntergekommene Treppen. Die komplette Treppe ist voll mit Verkäufern, die allen möglichen Ramsch verkaufen, eins hässlicher, als das andere und alle sicherlich nicht handgemacht. Diese hässlichen Souvenirs gibt es übrigens an jedem Tempel zu kaufen, doch außer den chinesischen Touristen wird dort sicherlich niemand etwas kaufen…

Das Prinzip des ganzen wird uns nichts wirklich klar, vor allem, da wir schon unten die Schuhe ausziehen müssen. Der Tempel selbst strahlt dann mit seinen sauberen Fliesen, die schön von den dreckigen Füßen der unzähligen Touristen verschmutzt werden. Nicht so ganz sinnvoll, wenn doch der Fußboden des Tempels heilig sein soll…

Oben auf dem Berg angekommen bietet sich uns ein schöner Blick über die ganze Stadt und wir entdecken neben den vielen Touristen auch einige Mönche. Sie kommen nachmittags hier hoch, um mit den Touristen zu sprechen und ihr Englisch zu verbessern. Und so werde auch ich recht schnell von einem Mönch angesprochen, der mit seinen gerade einmal 16 Jahren erstaunlich gutes Englisch spricht. Zumal er mir erzählt, dass er erst seit knapp einem Jahr überhaupt Englisch lernt. Sowohl er, als auch zwei andere Mönche, mit denen ich im Königspalast gesprochen habe, haben den gleichen Grund um Englisch zu lernen: Sie wollen Reisen und etwas von der Welt und anderen Kulturen kennenlernen, Gerade in Asien, wo jedes Land eine andere Sprache und vor allem auch andere Schriftzeichen benutzt, ist es wichtig für sie, Englisch zu lernen. Doch das größte Reiseziel all der Mönche und auch anderer Einheimischer, mit denen wir ins Gespräch kommen, ist Singapur. Singapur gilt als sehr modern und westlich und das ist wohl der Grund, warum sie es alle sehen wollen. Doch, wie mir der Mönch erzählt, müssen sie erst einmal 150.000 Kyat sparen, um in das Land einzureisen. Das sind gerade einmal 100,- Euro, doch für sie ist es wahnsinnig viel Geld. Und so fühlen wir uns nicht zum ersten Mal auf dieser Reise schlecht, wie gut es uns geht und was für ein Geschenk es ist, so viel Reisen zu können, wie wir es tun. Am liebsten würde ich ihnen allen hundert Euro schenken, damit sie sich ihren Traum erfüllen können…

Nach einem schönen Sonnenuntergang und vielen netten Gesprächen, machen wir uns wieder auf den Weg nach unten und zurück in unser Hotel, das auf der Dachterrasse auch ein leckeres Abendessen anbietet. Übrigens wird das Ganze mit dem Verkehr noch ein bisschen lustiger, wenn es keine Straßenlaternen gibt und das Fahrrad kein Licht hat…

Mandalay Hill Sonnenuntergang

Der Sonnenuntergang vom Mandalay Hill

Mandalays Umland: Der Sagaing Hill

Da auch das Umland von Mandalay einiges zu bieten hat, mieten wir uns am nächsten Tag ein Taxi, dass uns zu allen schönen Orten bringen soll: Amarapura, Sagaing und Inwa, sind genau wie Mandalay früher Königsstädte gewesen und haben daher einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. Das ist es irgendwie auch, was Myanmar von anderen Ländern in Südostasien abhebt: Das Land wirkt viel geschichtsträchtiger, viel religiöser, aber auch noch unberührter, als beispielsweise Thailand oder Malaysia.


Umgebung von Mandalay

1: Mandalay / 2: Bagaing Hill / 3: Inwa / 4: Amarapura mit der U-Bein-Brücke

Die Fahrt mit dem Taxi wird direkt von unserem Hotel organisiert und kostet uns 36.000 Kyat (etwa 20,- Euro) für den ganzen Tag, wobei es natürlich günstiger wird, wenn man sich mit anderen Reisenden zusammen tut. Unser Fahrer ist sehr freundlich, kann gut Englisch und macht uns viele Vorschläge, wie wir den Tag gestalten können. Unser erster Stop ist auf seine Empfehlung hin der Sagaing Hill, ein Berg auf der anderen Seite des Irrawaddy-Flusses. Wir fahren vorbei an kleinen Dörfern, immer den Berg hinauf, bis zur Shin Pin Nan Khine-Pagode. Die Pagode selbst wirkt übrigens für uns eher wie ein Schwimmbad, durch die vielen blauen, roten und gelben Fliesen, denn wie ein Tempel. So sehen hier übrigens viele der etwas neueren Pagoden aus. Was immer man sich dabei gedacht hat… Auch, wenn sie uns optisch nicht so gut gefällt, gibt es von hier einen tollen Blick auf die kleineren Hügel, mit ihren hunderten Stupas und Pagoden und natürlich auf den Fluss. In den etwa 600 Tempeln leben über 6.000 Mönche, um zu studieren und zu meditieren!

Unser nächster Halt auf dem Sagaing Hill ist die Umin-Thonze-Pagode. Sie besteht aus einem recht großen Gebäude mit vielen bogenförmigen Fenstern, aus denen jeweils ein goldener Buddha herausschaut und auf die Menschen des Ortes hinabschaut, um sie beschützen…

Das verfallene Königreich Inwa

Nach Sagaing geht es in Richtung Inwa, ein sehr altes Königreich, dass inzwischen hauptsächlich noch aus Ruinen besteht, aber so noch einmal einen anderen Reiz hat, als die neueren Pagoden. Wir halten am Ufer des Flusses und werden die etwa 100 Meter mit einem kleinen Boot rüber gefahren (1.400 Kyat, etwa 0,85 Euro pro Person). Auf der anderen Seite warten bereits hunderte kleiner Pferdekutschen, um die Touristen durch das recht große Gelände zu fahren. Eigentlich fahren wir nie mit Pferdekutschen, da die Pferde oft nicht gut behandelt werden, in diesem Fall waren allerdings 10 Kilometer durch die Mittagshitze laufen keine wirkliche Option, die Pferde wirkten auf uns in diesem Fall gesund und entspannt und mangels Alternative (es gibt keine Autos) steigen wir ein.

Und so nehmen wir eine Pferdekutsche (10.000 Kyat, etwa 6,- Euro), die uns etwa zwei Stunden durch die alten Tempel fährt. Leider kann ich mich an keinen Namen, der einzelnen Tempel erinnern, da alle Schilder nur auf Burmesisch waren. Die Tempel selbst waren eher Ruinen, aber hatten irgendwie gerade deshalb ihren Charme und ab und zu schaute auch eine goldene Pagode zwischen den Bäumen hervor, denn Inwa ist richtig schön grün.

Pagode Inwa

Eine goldene Pagode mitten in der Natur

Die berühmte U-Bein-Brücke

Gegen späten Nachmittag machen wir uns dann auf nach Amarapura, wo die berühmte U-Bein-Brücke den Taungthaman-See überquert. Sie wurde durch den damaligen König im Jahre 1851 errichtet und die über 1.000 Teakholzstämme sind seit dem erhalten geblieben. Mit ihren 1,2 Kilometern Länge, ist sie die längste Teakholzbrücke der Welt und neben den Heißluftballons in Bagan, wohl eines der meistfotografierten Motive in Myanmar. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen und mieten uns eins der vielen Boote, um den Sonnenuntergang vom See aus anzuschauen.

Sonnenuntergang U-Bein-Brücke

Wir wollen uns den Sonnenuntergang vom Boot aus anschauen!

Je Boot kostet das Ganze 15.000 Kyat (etwa 9,- Euro), aber da mehrere Personen in ein Boot passen, teilen wir uns das Boot mit einem russischen Pärchen und zahlen so nur die Hälfte. Insgesamt eine Stunde werden wir über den See gefahren, übrigens rudernd, da alle Boote keinen Motor besitzen. So ist es aber schön still und wir können in Ruhe den Sonnenuntergang genießen.

Mandalay ist unser erster Stop in Myanmar und wir sind gespannt auf das was noch kommt! In Mandalay schießen wir weit mehr Fotos, als in vielen anderen Stops, weil wir einfach beeindruckt von den tausenden Tempeln und Pagoden, den bunten Farben und der vielen Natur sind. Mandalay als einzigartig zu bezeichnen wäre wohl etwas übertrieben, aber es ist sicherlich ein Muss bei jedem Myanmar Besuch und für uns ein toller Einstieg in dieses spannende Land!

Tempel Mandalay Myanmar

Mandalay war ein schöner Start in diesem spannenden Land

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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