Merzouga: Ein Hauch Sahara in Marokko

So schön die Erg Chebbi-Düne auch ist, so furchtbar ist Merzouga. Warum ein Trip dennoch lohnen kann?

Merzouga, im Südosten Marokkos an der algerischen Grenze gelegen ist ein tolles Beispiel dafür, wie Tourismus einen eigentlich malerischen Ort zersetzen kann. An der gigantischen Erg Chebbi-Düne gelegen bietet das trostlose und hässliche Fünfhundert-Seelen-Kaff alles, was das 08/15 Touristenherz begehrt. Nicht falsch verstehen: Der Ort hat wirklich einfach so gar nichts an sich, die Düne allerdings, die lädt zum Träumen und Verweilen ein. Du merkst schon: Begeisterung sieht anders aus. Und dennoch gibt es – gerade für Wüstenneulinge die gerne mal den dicken Zeh in den Sand der Sahara halten wollen – einiges zu unternehmen.

Merzouga aus der Distanz

Merzouga aus der Distanz: So sieht es eigentlich malerisch aus…

Wo Touristen wandelnde Geldbeutel sind

Mit das Schönste an Merzouga ist die Fahrt dort hin. Vorbei geht es an unendlichen Weiten der Ödnis und tiefen Schluchten des Atlas-Gebirges, durch malerische Oasen und kleine Bergdörfer. Vorbei an weitläufigen Seen und auch mal der einen oder anderen Kamelherde: Augen auf im Straßenverkehr.

Kaum rollen wir jedoch in den Ortseingang ein, springen die ersten Händler und Restaurantbesitzer auf die Straße direkt vor unser Auto und bedeuten uns mal mehr und mal weniger aggressiv, anzuhalten, die Fenster herunterzulassen und doch bitte ihren Ramsch zu Kaufen oder in ihr Restaurxant zu gehen. Mich würde ja mal interessieren, ob so eine bescheuerte Masche jemals zum Ziel führt. Wir fahren zielstrebig weiter und die aufdringlichen Händler fast um. Der erste Eindruck der Stadt ist kein guter: Merzouga wurde schließlich Ende der 1980er Jahre für Touristen gebaut, ein traditionelles Ortsleben existiert nicht. Bis auf ein mehr oder weniger ansehnlicher Platz voller vollkommen überteuerter Restaurants ist der Ort derart lieblos in die Wüste gepfeffert, dass wir am liebsten im fünften Gang gewendet hätten und weggefahren wären. Unsere Unterkunft, auf booking.com immerhin mit einer mehr als ordentlichen 9,1 bewertet ist sagen wir einmal sehr einfach ausgestattet und lieblos eingerichtet, dass wir unseren Aufenthalt von ursprünglich zwei Tagen auf einen Tag reduzieren. Für uns ein wenig unverständlich, haben wir Marokko und die Marokkaner bisher als ein ausgesprochen gemütliches Volk mit Liebe zu Schönheit und Detail kennengelernt.

Merzouga Straße

In dieser Straße wohnen wir: Alles andere als einladend…

Unser ursprünglicher Plan sah vor, dass wir uns einen ganzen Tag in Merzouga von der Fahrt und den Tagen in Fez und Chefchaouen erholen und am späten Nachmittag dann auf eine geführte Tour in die Sahara mit Übernachtung starten. Von Merzouga derart abgeschreckt beschließen wir kurzerhand, unsere Nacht in der Wüste um einen Tag vorzuziehen und starten so schon kurz nach unserer Ankunft in die Wüste. So macht es übrigens so ziemlich jeder, wie wir hinterher erfahren und nun wissen wir immerhin auch, warum. Zudem sparen wir uns so auch die Nacht in unserer Unterkunft, die wohl ihre gute Bewertung nur aufgrund des Ausflugs in die Wüste und nicht aufgrund der tollen Zimmer erhalten hat…

Aktivitäten in Merzouga: Der übliche Tourikram

Einmal in Merzouga gelandet, wird dem verwöhnten Touristen jedes Geldbeutels stets das selbe Programm angeboten, es unterscheidet sich je nach Preis eigentlich nur der Komfort:

Optional kann dann noch ein Tee mit dem Stammesältesten in einem Berberdorf getrunken werden (wie authentisch…), ein See mit Flamingos besichtigt werden oder – und das ist kein Scherz, sondern ein Zitat – „Schwarze Menschen“ besichtigt werden. Offenbar scheint das für irgendwen auf der Welt auch in 2019 tatsächlich noch eine Attraktion zu sein, mit der man Geld verdienen kann.

Kamele in der Wüste

Cosi findet neue Freunde: Kamele in der Wüste

Wir entschieden uns bereits im Vorfeld für eine Übernachtung in der Wüste und eine Anfahrt mit Jeeps. Zwar haben wir das Gefühl, dass die Kamele in Merzougha einen zufriedenen und entspannten Eindruck machen, wenn vermeidbar verzichten wir aber grundsätzlich auf das Geldmachen mit Tieren. Ebenso sind wir auch der Meinung, dass es für die Menschen unwürdig und für uns unauthentisch ist, wenn wir sie in ihren Dörfern wie Museumsstücke begutachten und fotografieren. Da halten wir es lieber mit dem Motto

Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.

Gleich vorweg: Die Touren und Aktivitäten in und um Merzouga können in nahezu jeder Unterkunft oder einfach auf der Straße ohne Probleme und täglich gebucht werden. Eine Unterkunft auf Grund der guten Bewertung der angebotenen Touren zu wählen, so wie wir es gemacht haben, ist absolut nicht nötig. Da eine Buchung über einschlägige Online-Anbieter nicht wirklich teurer ist aber wenigstens einen klaren Leistungsumfang schildert und bequem online bezahlt werden kann, empfehle ich an dieser Stelle das Online-Buchen bei beispielsweise GetYourGuide:

Eine Übernachtung in der Sahara

Unsere Gruppe aus (mit uns) sechs Personen startet am späten Nachmittag mit Jeeps in die Wüste. Gerade einmal zehn Minuten dauert die schaukelige Fahrt mit dem 4×4-Gefährt, die Kamele brauchen etwa 1,5 Stunden für diese Strecke. Schon die geringe Distanz lässt erahnen, wie tief es in die Sahara rein geht, ein Blick auf das iPhone offenbart glasklaren LTE-Empfang, was auch nicht gerade dazu beiträgt, ein wenig Wüstenfeeling aufkommen zu lassen. In der Wüste angekommen stehen die Zelte fest und dauerhaft installiert bereits parat. Das Problem: Hier reiht sich Zeltcamp an Zeltcamp, getrennt bestenfalls durch jeweils eine kleine Düne. Steigt man auf eine Erhebung, sieht man das Ausmaß der umgebenden Camps. Besonders nett: Die etwas luxuriöseren Camps verfügen sogar über Strom aus Dieselgeneratoren, die sie charmanterweise in den Nachbardünen neben den anderen Camps platziert haben. Die betuchte Gesellschaft soll ja bloß nichts von dem nervtötenden Lärm mitbekommen, den diese Geräte verursachen.

Immerhin: Der Abend am Lagerfeuer vor den Zelten bleibt generatorfrei, die Nacht ist klar, der Sternenhimmel grandios. Das Abendessen ist ein in dieser Region klassisches, sogenannte Berberomelette: Ein in einer marokkanischen Tajine angerichtetes Eiergericht mit Tomaten, Zwiebeln, verschiedenen Gewürzen und natürlich Eiern. So einfach und so lecker. Wir beschließen, uns in Deutschland auch eine Tajine zu kaufen. Da unser Urlaub in Marokko einer mit ausschließlich Handgepäck ist, fällt der Kauf hier vor Ort leider flach.

Berberomelette

Ein Berberomelette: Lecker!

Am frühen Morgen schmeißt man uns unsanft aus dem Bett: Sonnenaufgang. Den wollen wir natürlich nicht verpassen, als mittlerer Langschläfer erlebe ich den ja nicht alle Tage. Die Sonne geht hier um kurz nach sieben auf. So weit so gut. Leider aber hat man im Camp wohl vergessen, die Uhr richtig zu stellen und so stehen wir bei frischen (und das ist noch untertrieben) 4 Grad um sechs Uhr morgens im völligen Dunkeln auf einer vom eisigen Wind ungeschützten Düne und wissen so recht nichts mit uns anzufangen. Dann nach einer gefühlten Ewigkeit geht endlich die Sonne auf und taucht die rauhe Wüste in erstes, sanftes Licht:

Sonnenaufgang in der Sahara

Endlich: Ein bitterkalter aber sehr schöner Sonnenaufgang in der Sahara

Irgendwer hat in der Wüste aus Holz und Autoreifen hier und da einige Stühle zusammengezimmert. Die nehmen wir dankbar an, ziehen die nackten Füße aus dem kalten Wüstensand und lassen den Blick über die Weite schweifen. Wir beide sind große Fans von Stille und Einsamkeit und so verweilen wir schweigend eine halbe Ewigkeit und schauen der Saharasonne beim Aufgehen zu.

Erst als der erste Duft einer Tajine mit frischen Kräutern und frischem Minztee aus den Berberzelten unterhalb der Düne zu uns hinaufsteigt, steigen wir wieder hinab und setzen uns an den Frühstückstisch in das Hauptzelt.

Mein Fazit: Lohnt sich ein Abstecher nach Merzouga?

Ehrlich: Ich bin hin- und hergerissen… Aus der Sicht eines erfahrenen Reisenden, der schon mehrere Wüsten erleben durfte würde ich sagen, dass dieser Abstecher unseres Roadtrips durch Marokko von etwa vier Stunden Fahrtzeit nicht wirklich nötig gewesen wäre. Was Merzouga zu bieten hat, ist absolut austauschbar und wird vermutlich an jedem anderen, touristisch erschlossenen Fleckchen Wüste zu finden sein. Vielleicht ist es genau diese Austauschbarkeit, die mich so stört. Wer aber noch nie Wüstenerfahrung sammeln konnte, für den ist die Stadt eine gute und bequeme Basis, um mal ein wenig Sahara-Feeling schnuppern zu können. Und alles was recht ist, aber die Erg Chebbi Sanddüne ist wirklich ein Hingucker:

Erg Chebbi Düne Merzouga

Die Erg Chebbi Düne ist ein Hingucker, Merzouga ist es nicht.

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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