Fez: Ein Labyrinth aus zwanzigtausend Gassen

Wir besuchen die unzähligen Gässchen der berühmten Medina von Fez

Wie schnell man doch in alte Routinen verfallen kann. Ein halbes Jahr nach dem Ende unserer gemeinsamen Weltreise steht er nun an, der erste Urlaub nach unserer elfmonatigen Reise durch 16 Länder und 3 Kontinente. Zehn Tage mit dem Mietwagen durch Marokko soll es gehen und am Ende ganz klassisch „Füße hoch“ in Agadir am Strand. Geplant haben wir diese Rundreise mit Mietwagen durch Marokko an nur einem einzigen Abend und an einem weiteren Abend in einem Rutsch gebucht. Das haben wir mittlerweile wirklich im Blut. Mehr über unseren Roadtrip durch Marokko hat Cosi hier berichtet!

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Marokko ist nicht Marrakesch

Nach Marokko soll es also gehen. „Ah Marokko? Nach Marrakesch, oder?“ ist die Reaktion, die wir in neun von zehn Fällen zu hören bekommen. Marrakesch scheint eine große Strahlwirkung ins Ausland zu haben. Ob es an den vielen Flugverbindungen oder schlicht der Bekanntheit der Stadt liegt, wissen wir nicht. Marokko ist gefühlt das Trendziel dieses Jahres und in unsere beider Freundeskreis war gefühlt jeder zweite schon einmal dort und fast alle sind sie in Marrakesch gelandet, gestrandet und wieder zurückgeflogen. Der Rest des Landes bleibt bei so einem Kurztrip leider auf der Strecke. Was für eine Schande! So viel kann ich im Vorfeld schon einmal verraten. Und so entscheiden wir uns als Start unserer Marokko-Rundreise für Fez.

Die Medina von Fez

Die Medina von Fez: Zwanzigtausend Gassen warten auf uns

Fez im Frühling: Inmitten grüner Hügel

Fez liegt im Nordosten des riesigen Marokko inmitten einer hügeligen Talsenke. Jetzt im März ist Frühlingsbeginn und die ganze Region strahlt in einem für uns vollkommen unerwarteten Grün. Das hätten wir nicht erwartet, denn in unseren Köpfen ist Marokko eher ein Wüstenstaat. Schon die Fahrt vom Flughafen führt uns vorbei an unendlichen Feigen- und Orangenplantagen, die Luft ist erfüllt von einem starken, süßlichen Geruch, der mich an Maiglöckchen erinnert. Marokko im Frühling: Herrlich!

Fes grünes Umland

Das Umland von Fez: Unglaublich grün, das hatten wir nicht erwartet

Unsere Unterkunft in Fez: Das Dar Elinor

Sich für eine Unterkunft in Fez zu entscheiden war lange nicht so einfach, wie im Vorfeld erwartet. Das lag schlicht und einfach daran, dass es eine Unmenge an Unterkünften im Angebot gibt, die sich darüber hinaus auch noch so gut wie gar nicht voneinander unterscheiden. Zumindest dann nicht, wenn man in der Nähe der Medina wohnen möchte, was ich nur empfehlen kann. Dass die Unterkünfte in Fez sich so gut wie gar nicht unterscheiden ist der Tatsache geschuldet, dass alle Gebäude nach einer mehr oder weniger ähnlichen Bauweise errichtet worden sind: Sogenannte Riads werden Haus an Haus mit kaum Platz für Licht und Fenster gebaut, warten aber sehr oft mit Dachterrasse und einem Atrium auf, das Licht in das Gebäude lässt. Insbesondere eine Dachterrasse kann ich wärmstens empfehlen denn auf Grund der dunklen Bauweise der Zimmer bekommen wir schon nach wenigen Stunden ein wenig schlechte Laune und sind froh, als wir auf der Terrasse die marokkanische Sonne einfangen können.

Das Dar Elinor selbst, auf booking.com bei unserer Buchung mit respektablen 9,2 bewertet erweist sich als gute, aber nicht uneingeschränkt zu empfehlende Wahl. Der Gastgeber Mohammed ist herzlich, das Frühstück, wie in Marokko üblich, sehr üppig, die Lage ist unschlagbar, das Internet ordentlich schnell, die Zimmer groß und sauber. Allerdings, ich sprach es schon an, sind die Zimmer unangenehm dunkel auf der einen Seite und nachts wiederum durch die fehlenden Vorhänge und keine vernünftige Isolierung zum Atrium hin ausgesprochen hellhörig. Wer mit so etwas kein Problem hat, wird im Dar Elinor in Fez eine gute, herzliche und preislich faire Unterkunft finden:

Insbesondere ans Herz legen möchte ich dir noch das dazugehörige Restaurant, etwa 10 Gehminuten von der Unterkunft entfernt. Dort kannst du natürlich auch essen, wenn du kein Gast des Hauses bist, ist ja klar. Das Restaurant Nagham Café in Fez ist kein Café wie es der Name unterstellen mag sondern ein vollwertiges Restaurant. Dort auf der überdachten Dachterasse gibt es grandioses, marokkanisches Essen mit einem unglaublich freundlichen und herzlichen Service. Ein marokkanisches Dreigängemenü bekommst du hier für unschlagbare 80 Dirham (etwa 8,- Euro). Wir haben dort drei mal hintereinander gegessen und uns durch die Karte probiert. Ich empfehle als Hauptgang die Rindertajine mit Zimt und Pflaumen, traumhaft…

Die Altstadt von Fez: Ein unvergleichliches Labyrinth

Die Stadt mit knapp anderthalb Millionen Einwohnern gilt als Kulturhauptstadt des Landes, was Fez vor allem der beeindruckenden Medina (Altstadt) zu verdanken hat. Die Stadt an sich ist für ihre Einwohnerzahl schon erstaunlich kompakt gehalten, in der Altstadt, umgeben von einer meterhohen Steinmauer jedoch, verdichtet sich das alles zu einem irren Mikrokosmos. Unvorstellbare zwanzigtausend kleiner Gassen (kein Witz) machen sie zur verwinkeltsten Altstadt der Welt: Die breitesten von ihnen lassen einen Esel samt Karren durch, durch die kleinsten Gassen muss zumindest ich seitwärts gehen.

Die Gassen gehen übereinander und untereinander her, kreuzen sich, laufen mal parallel und führen in kleine Innenhöfe. In der einen Sekunde versucht ein Lederwarenhändler uns in seinen Laden zu locken in der nächsten stolpern wir über winzige Treppenstufen in eine Moschee. Wer jetzt wie wir denkt, man könnte sich ja mit GPS und dem guten alten Smartphone durch diese Gassen von Fez navigieren, der irrt. Schon wenige Meter nach der Stadtmauer verliert der Satellit unsere Position. Verrückt, wie aufgeschmissen man auf einmal ist, wenn einem das Smartphone nicht mehr sagen kann, wo es lang geht.

Vorbei geht es also an Fischhändlern, Fleischhändlern, Obsthändlern und Ledermachern. An Malern und Schmieden, an Geistlichen oder auch an Menschen, die wie hier in Marokko so häufig zu sehen, den ganzen Tag einfach nur rumsitzen und nichts tun. Im Vorbeigehen sehen wir, wie ein Händler ein lebendiges Huhn köpft und den noch zappelnden Körper in eine Tageszeitung einwickelt und einem Kunden reicht. Sogleich machen sich ein halbes dutzend Straßenkatzen über den Kopf auf dem Boden her. Für uns verstörend, Alltag hier.

Deutlich angenehmer zu betrachten sind die Kupferklopfer auf dem Place Seffarine. Unter lautem, rhythmischen Gehämmere werden hier die verschiedensten Behältnisse in Handarbeit aus kleinen Kupferplatten zusammengezimmert. Insbesondere in der Sonne schön anzusehen, da das Kupfer so strahlt und glitzert. Die Schmiedewaren sind übrigens zu einem unverschämt günstigen Preis zu haben. Fraglich aber leider auch hier, wie man all diese Sachen in ein Flugzeuggepäckstück bekommen soll… Gänzlich versteckt zwischen den Kupferständen entdecken wir einen kleinen Eingang der zu einem auf den Dächern liegenden, kleinen Café führt, von dem aus man das Treiben auf dem Platz bei einem herrlichen, marokkanischen Minztee in Ruhe beobachten kann.

Sowieso haben die Plätze innerhalb der Medina eine ganz besondere Funktion. Sie fungieren gleichzeitig als thematische Marktplätze (Souks). Es gibt den Kupferplatz, den Holzplatz oder auch den Hennaplatz. Inmitten des Labyrinths aus Gassen, in denen das Tageslicht manchmal nicht zu sehen ist, sind diese überschaubaren Plätze mit Bäumen und Brunnen wahre Oasen.

Gasse in der Medina von Fez

Eine der vielen, typischen Gassen in der Medina von Fez

Eine Gerberei, sie zu finden…

Wenn du dich durch die Gassen der Medina von Fez wuselst, wird es dir nicht entgehen, dass dich alle paar Minuten jemand auf die “Tannery“ anspricht. Gemeint ist die Gerberei, die sich inmitten der Medina befindet. Sie scheint das Highlight der Medina zu sein. Man möchte dich dann augenscheinlich dort hin führen. Eigentlich aber wirst du unter Garantie falsch geleitet und landest in irgendeinem Touristenshop. Wir haben die Gerberei nach einigen Um- und Irrwegen dann doch gefunden. Ich erzählte ja schon, dass GPS in der Medina von Fez völlig sinnfrei ist, habe aber dennoch einmal für dich die genauen Koordinaten des Eingangs festgehalten. Die Gerberei kann am besten von einer der umliegenden Dachterassen der Ledershops besichtigt werden, wir haben den Eingang des Cheez Alaoui-Shops gewählt um uns das interessante aber unfassbar stinkende Gerben anzuschauen. Im Ernst, der Geruch ist nicht feierlich…

In den Gassen der Medina von Fez kannst du dich ohne Probleme einen ganzen Tag lang aufhalten. Mehr allerdings braucht es unserer Meinung nach nicht. Die vielen Händler, die niedlichen Gassen, die kleinen Cafés wie Oasen inmitten des Trubels, die Gerberei: Es gibt eine Menge zu sehen und dank der hohen Häuser bist du vor der Sonne weitestgehend geschützt, es ist mitunter angenehm frisch zwischen den Häusern. Und wenn du dann doch mal ein wenig Freiheit schnuppern willst, dann suchst du dir einfach eine der unzähligen Dachterrassen in der Medina von Fez aus, von wo du deinen Blick schweifen lassen kannst. Übrigens: Ganz im Norden der Altstadt findest du ein wenig abseits der Touristenströme das Stadtleben vor, wie es tatsächlich ist. Fern von Souvenirshops und Lederläden. Hier kaufen die Einheimischen von den Einheimischen. Und auch wenn wir uns hier als einzige Touristen ein wenig deplatziert vorkommen, ist auch das eine interessante Erfahrung.

Fünf Tipps für deinen Besuch in der Medina von Fez:

Damit du in der verwirrenden Altstadt von Fez nicht wie wir orientierungs- und kopflos herumirrst, haben wir dir hier noch einmal fünf Tipps niedergeschrieben, die wir auch gern vor unserem Besuch gekannt hätten:

  1. Gib nichts auf die scheinbar netten Angebote der Händler und Kinder in der Medina. Sie bieten dir oft ihre Dienste als Führer an, führen dich dann um Umwege oder durch Läden zum Ziel und wollen dann Geld für ihre Hilfe haben. Besser ist es da, sich an den roten Schildern in etwa 2,5 Metern Höhe zu orientieren, sie markieren die Wege zu Plätzen und Toren, die auch in GoogleMaps, MapsMe, etc. eingegeben werden können.
  2. Die beste Besuchszeit für die Medina von Fez ist etwa 11 bis 15 Uhr. Denn während dieser Zeit herrscht die ausgedehnte, marrokanische Mittagspause. Die Restaurants haben geöffnet aber das Gewusel ist ein wenig entspannter.
  3. Die Lederwaren sind keinesfalls aus Kamelleder, auch wenn der gemeine Tourist das so gerne hört. Kamele sind in Marokko viel zu wichtig und auch zu wertvoll, um sie für die Produktion von Lederwaren zu opfern. Wenn mal eines geschlachtet wird, wird die Haut verwendet, das passiert aber nicht sehr häufig.
  4. Die angesetzten Preise sind grundsätzlich zu hoch. Wir haben uns angeregt mit einem Händler unterhalten der uns freimütig erzählt hat, dass man den Preis um 50% bis 80% drücken kann ohne ein schlechte Gewissen haben zu müssen.
  5. Wer die Gerberei im Zentrum der Medina sucht und es sich einfach machen möchte, der kann sich für umgerechnet ca. zwei Euro einen Guide nehmen, der direkt zur Gerberei führt. In unserer Unterkunft, dem Dar Elinor, ist das problemlos buchbar.

Fez von oben: Die Aussicht von den Merinidengräbern

Wenn das Highlight der Stadt die Stadt selbst ist und du sie schon von innen erkundet hast, dann bleibt ja quasi an deinem zweiten Tag in Fez nur noch, sich das Gewusel einmal von oben anzuschauen. In Fez eignet sich dafür idealerweise der Hügel im Norden der Stadt, auf dem die sogenannten Merinidengräber liegen:

Merinidengräber Fez Aussicht

Den besten Ausblick auf Fez hast du von den Merinidengräbern aus

Du kannst dich entweder für etwa 20 Dirham (ca. 2,- Euro) auf den Hügel fahren lassen oder aber du nimmst deine Beine in die Hand und läufst vom Nordtor der Medina (Bab Guissa) etwa 15 Minuten den Hügel hinauf, der Weg führt entlang einer asphaltierten Straße und ist leicht zu begehen. Der Hügel bietet einen einmaligen Weitblick auf Fez und sein Umland mit all seinen grünen Hügeln und Tälern.

Merinidengräber Ausblick Umland von Fez

Auch die Rückseite der Merinidengräber bietet eine tolle Weitsicht

Hier kannst du die Minarette der alten Karaouiyne-Moschee genau so erblicken wie die weitläufigen Gebäude der ältesten Universität der Erde, der Al-Qarawuyyin aus dem Jahre 859. Du siehst die Esel inmitten der engen Gassen, hörst das Hämmern der Kupferschmiede und spätestens wenn zur vollen Stunde nachmittags die Muezzine aus dutzenden Minaretten zum Gebet aufrufen, dann merkst du, dass du im Orient bist.

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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  1. Peter Paul

    am 23. April 2019 um 16:38 Uhr

    Nach eurer Weltreise scheint ihr jetzt zu Städtereisenden zu werden. Der Trend nach Marokko bzw. Marrakesch oder Fez zu reisen hat bereits Ende der Sechziger eingesetzt und es ist schön zu lesen, dass er anhält. Da ich euch schon lange auf euren Reisen folge, bin ich hoch erfreut, dass ihr dieses Mal auch mehr übers Essen schreibt. Und ich muss sagen, ich ertrage noch mehr derartige Ess-Bilder und Ess-Informationen. Als Reisender gehört das Erkunden, Suchen und unerwartete Entdecken unbedingt dazu, aber eben auch das "Wie-Schlafen" und "Was-Essen". Ich bin gespannt auf Cosis-Blogeintrag.

    1. Marius

      am 23. April 2019 um 20:30 Uhr

      Hey Peter,
      Wir waren auch vor unserer Weltreise schon Städtereisende. Irgendwie… Aber ich habe mich schon 2013 in Freiheit und Einsamkeit verliebt und die findet sich vorzugsweise leider nicht in Städten. Bei "Stadt zu Stadt" liegt unser Fokus stets auf dem "zu". Essen nimmt in Marokko einen hohen Stellenwert ein und ist darüber hinaus auch noch ausgesprochen lecker und vielseitig dort. Viel Hunger bei einem Besuch in Marokko mitbringen! :)

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