Francisco Anzola (CC BY 2.0 Lizenz via Flickr)

Saigon, das Mekong Delta und Vietnams Süden

Südvietnam hat viel zu bieten: Weltkulturerbe, Stadt der Könige und eine Großstadt

Die Tage vergehen schnell in Vietnam. Unsere Reisegruppe, von unserem Reiseleiter Quan liebevoll “Family” genannt, ist wirklich großartig. Jeder versteht sich mit jedem, alle passen aufeinander auf und wir haben eine Menge Spaß über Länder, Kontinente, Kulturen und Generationen hinweg. Leider haben wir mit dem Wetter weniger Glück und Petrus verlässt uns zeitgleich mit unserer Abreise aus der wundervollen Ha Long Bucht. Unser Ziel: Vietnams Süden und die allseits bekannte Stadt Saigon!

Hue – Die Stadt der Könige

Unser nächstes Ziel ist Hue, die alte Stadt der vietnamesischen Könige. Hier liegt das Weltkulturerbe des Königspalastes, ein riesiges Areal voller Kammern, Gänge, Paläste, Ratshallen und Parkanlagen und Sitz der Königsgarde. Endlich bewegen wir uns wieder mit dem Motorroller vorwärts, was habe ich das vermisst! Ein wenig Ernüchterung stellt sich allerdings ein, als ich erfahre, dass wir uns auf das Rad eines Fahrers setzen müssen und gefahren werden, vietnamesischer Verkehr ist für Touristen einfach zu gefährlich. Nun gut, das kenne ich bereits zu genüge aus Hanoi und glaube das unserem Guide gern. Also klammere ich mich mit Überwindung an meinen mürrischen alten Fahrer, weil ich Körperkontakt mit fremden und schwitzigen Menschen ja so wahnsinnig gerne habe…

Die Tour führt uns querbeet durch die Region an Tempeln und Gassen vorbei durch Wälder und Hügel. Immer wieder werden wir zum Shoppen animiert, was mir nach einer Weile ziemlich auf die Nerven geht. Ich muss gestehen, dass mir Hue nicht sonderlich gefällt, ich hatte aber auch nicht allzu viel erwartet und so beschließe ich, das Beste aus der Sache zu machen und schwinge mich erneut auf das Bike. Mein Highlight hier ist eine alte vietnamesische Wahrsagerin, die mir meine Zukunft für die nächsten zwanzig Jahre voraussagt, mir meinen Todestag (ich hatte nicht danach gefragt) und mein Heiratsjahr verrät. Ihr Englisch ist leider derart schrecklich, dass ich erst nach mehrfacher nachträglicher Videoanalyse verstehe, was mich in den nächsten Jahren erwartet. Sehr sehr lustig und ein wenig unheimlich…

Hoi An – Das Weltkulturerbe

Schon in Hue deutete sich an, dass ein Sturm in der Luft liegt. Nach einer mehrstündigen Busfahrt kommen wir am frühen Morgen in Hoi An an. Die Wolken hängen ungewohnt tief und düster am Himmel und nach kurzer Rückfrage bei unserem Guide wird klar: Dies sind die Ausläufer des Taifuns, der wenige Tage zuvor große Teile der Philippinen in Schutt und Asche gelegt hat. Wir sind in Küstennähe und erwarten den Sturm in der kommenden Nacht. Die Zeit in Hoi An will also genutzt werden. Daraus wird leider nichts, denn bereits die Vorläufer des Tropensturmes sind derart regenhaltig, dass ein laufen durch das Weltkulturerbe der alten Innenstadt von Hoi An quasi unmöglich wird. Das ist sehr schade, denn Hoi An hat eine Menge Charme und absolut liebliche Gassen mit tollen und farbenfrohen Häusern, Geschäften und Marktplätzen. Nun sind sie Menschenleer.

Wir dinieren in einem Restaurant direkt am Ufer des Flusses der Innenstadt und wo beim Betreten vor dem Essen noch Straße war, ist nun: Wasser über Wasser über Wasser. Binnen der Stunde Abendessen ist der Fluss nahezu um das Doppelte angeschwollen und so waten wir mit Mühe und komplett nass zurück zum Hotel. Der Sturm kommt.
Und wie. Völlig unvergleichbar mit allen Stürmen, die ich jemals in Deutschland erlebt habe und wohl auch erleben werde bricht der Taifun über die Stadt her. Die Blitze sind so hell, dass sie das Hotelzimmer trotz dicker, fast lichtundurchlässiger Vorhänge komplett erhellen. Sie folgen so dicht aufeinander, dass es niemals dunkel zu werden scheint, es ist Mitternacht und auf der Straße ist es taghell. Und erst der Donner. Derart gewaltig, dass das gesamte achtstöckige Gebäude in den Grundfesten erschüttert wird und schwankt. Derart laut, dass Ohrstöpsel nicht den Hauch einer Chance haben und derart beeindruckend, dass selbst ein sturmliebender Mensch wie ich sich wünscht, es möge bitte endlich aufhören. Drei Tage später sollte mein Wunsch erfüllt werden…

Das Mekong-Delta

Den Sturm hinter uns gelassen geht es nun weiter in das weltbekannte Mekong-Delta. Dort werden wir wie schon zuvor in Sapa bei einer Gastfamilie im Dschungel am Fluss übernachten. Leider spielt das Wetter auch hier nicht mit und da das Erkunden des Regenwaldes in Flipflops, strömendem Regen und in Regenponchos herzlich wenig Spaß macht, lassen wir uns erschöpft in die Hängematten fallen und betrachten geschützt von lediglich einem kleinen Kokospalmendach, wie die Welt erneut im Wasser versinkt. Am nächsten Tag besichtigen wir eine Kokosfabrik, futtern uns durch Kokossüßigkeiten, trinken uns durch Kokosschnaps, Kokosbier, Kokoswein und Kokoslikör und haben zu guter letzt noch eine nette Begegnung mit einer nicht ganz kleinen Schlange. Zurück zu unserem Bus geht es durch einen der vielen kleinen Mekong-Arme mit einer reizenden Gondoliere wie man sie aus Venedig kennt, werden wir gemächlich durch den dichten Dschungel geschippert. Sehr romantisch!

Saigon aka Ho-Chi-Minh-Stadt

Die letzten Tage der Reise durch Vietnam verbringe ich in Saigon. Der geneigte Leser wird vielleicht sagen, das der korrekte Name für diese Stadt “Ho-Chi-Minh Stadt” lautet. Das ist korrekt, ich weigere mich aber, diesen umständlichen Namen zu verwenden. Das tun die Vietnamesen übrigens auch, es ist ein Relikt aus der kommunistischen Zeit des Landes und auch wenn der Kommunismus hier offiziell noch immer regiert, ist Saigon das beste Beispiel dafür, dass diese Zeit vorbei zu sein scheint.
Saigon ist quirlig, Saigon ist lebendig und Saigon ist modern! Siebzig Prozent der Wirtschaftsleistung des gesamten Landes wird hier erbracht und das merkt man. Überall schießen hohe Glastürme aus dem Boden, die Stadt ist allgemein deutlich westlicher orientiert als der Rest von Vietnam. Einen besonderen Charme machen hierbei die Kolonialbauten aus der französischen Besatzungszeit aus: Unzählige Diplomatenvillen, eine alte Kirche und ein Postamt zeugen von dieser Vergangenheit. Ein besonders beeindruckendes und schockierendes Beispiel der Vergangenheit dieses Landes ist das Kriegsüberlebendenmuseum. Schonungslos und unzensiert werden hier die Gräueltaten des Krieges dargestellt in einer derartigen Detailtreue, Grausamkeit und Bildgewalt, dass man am Ausgang eine Fülle von weinenden und zerstörten Besuchern sieht. Man hat damit gerechnet, denn es gibt überall Papiertaschentücher und ruhige Sitzecken. Auch mir verschlägt es die Sprache und ich bin derart entsetzt, dass ich für den Rest des Tages nicht mehr zu gebrauchen bin. Kein Wort wechsele ich an diesem Tag noch mit irgendwem und gehe früh ins Bett, auf dass die Bilder schnell wieder aus meinem Kopf verschwinden mögen.

Am nächsten Tag treffe ich Mario, einen guten Freund von mir aus Deutschland und wir ziehen in ein neues Hotel um. Am Vorabend hat sich unsere Reisegruppe tränenreich in alle Winde zerstreut und für Mario und mich bleiben noch zwei weitere Tage in Saigon. Wir verbringen sie mit den beiden Däninnen Silje und Signe, die mir in den zwei Wochen richig ans Herz gewachsen sind. Nachdem wir uns auch von ihnen verabschiedet haben, wartet bereits der Flieger auf uns. Nächster Halt: Kuala Lumpur!

Unsere Reisegruppe in Raincoats

Unsere Reisegruppe in Raincoats

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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  1. Anne Kathrin

    am 28. September 2013 um 18:55 Uhr

    Es ist immer wieder eine Freude von dir und deiner Reise zu hören. Wünsche dir weiterhin viel Spass und trockenere Zeiten....

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