riderfoot (Depositphotos.com)

Isla Ometepe: Eiiiiine Insel mit zwei Bergen…

Die Vulkane Maderas und Conception bilden die Isla Ometepe inmitten eines gigantischen Sees

Einst verliebte sich Nagrando in die bildhübsche Häuptlingstochter eines zerstrittenen Stammes: Ometeptl. Eine Liebe zwischen den beiden war verboten. Aus purer Verzweiflung öffneten sich die beiden Liebenden die Pulsadern, ihr Blut floss in Strömen und füllte ein ganzes Tal. So erzählt es die Legende. Dieses Tal ist heute bekannt als Nicaraguasee, einer der größten Seen der Erde. Fast fünfzehn mal so groß wie der Bodensee wirkt er wie ein unendliches Meer, als wir ihn am Nachmittag erreichen. Am Horizont glitzert Isla Ometepe mit ihren zwei Vulkanen Madera und Conception in der Abendsonne.

Isla Ometepe

Der Vulkan Conception erscheint mächtig vor uns

Gekommen sind wir mit dem Bus aus dem costaricanischen Alajuela bei San Jose. Eine für den Magen wirklich üble fünfstündige Serpentinen-Busfahrt (Transporte Deldu, 8,- USD) bis nach Peñas Blancas, ein nicht ganz günstiger Grenzübergang (8,- USD auf costaricanischer Seite, 13,- USD auf nicaraguanischer Seite) und eine dafür umso entspanntere Taxifahrt bis zur Fähre nach San Jorge (6,- USD pro Person) haben uns zum Fähranleger am Nicaraguasee geführt, wo die Fähre auch schon ruhig im Wasser liegt.

Isla Ometepe

Unsere Fähre legt an

Nach etwa einer Stunde Fahrt mit Sonne im Rücken legen wir am Anleger in Moyogalpa an und betreten das erste mal nach unserer etwas hastigen Einreise (wir wollten die Fähre noch bekommen) bewusst nicaraguanischen Boden. Zwar werden wir gleich nach der Ankunft in Moyogalpa auf Isla Ometepe von einer Horde umtriebiger Nicaraguaner umworben, doch dieses und jenes zu kaufen oder doch bitte hier und da zu schlafen doch wir bedanken uns artig mit einem Lächeln und machen uns auf den Weg in Richtung unserer Unterkunft für die kommenden Tage. Vorbei kommen wir dabei an Restaurants, Supermärkten, Bars und Cafés und merken schnell: Der Tourismus hat hier Einzug gehalten. Aber – und das gefällt uns sehr – noch lange nicht überall auf der Insel. Dazu aber später mehr.

Einfache Geschäfte

„Mauro, Mauro, Mauro“ tönt es schon von weitem, als wir mit Rucksäcken bepackt auf den Innenhof der Casa Mauro abbiegen. Noch bevor der Besitzer, sein Name ist natürlich auch Mauro, uns begrüßen kann, erledigt das ein niedlicher aber verflucht nervtötender Papagei quasi für ihn: „Mauro, Mauro, Mauro.“ Manchmal hat er auch „Abuela“ (Großmutter), „Gracias“ (Danke) oder diverse Klicklaute drauf. Das ist allerdings auch nur so lange süß, so lange das nicht nachts oder in Dauerschleife passiert. Nur so viel: Mordpläne wurden von mir in den Tagen auf Ometepe erarbeitet, aus Tierliebe aber wieder verworfen…

Ohne einen Roller geht nix auf Ometepe

Oh was hatte ich mich im Vorfeld wieder aufs Rollerfahren gefreut! Damals auf Ko Phangan das erste mal ausprobiert und in Pai lieben gelernt, kann ich es hier auf Ometepe gar nicht abwarten, wieder mit der Sonne im Gesicht über Inseln zu brettern! Wer sich im Internet über das Mieten von Rollern (Scooter) auf Ometepe informiert, wird feststellen, dass man eigentlich tunlichst davon ablassen sollte, da viele Vermieter darauf aus sind, den Touristen mit Tricks (Schäden vortäuschen, Kaution einbehalten, Pass einkassieren etc.) das Geld aus der Tasche zu ziehen. Das weiß man in der Casa Mauro und geht dort einen anderen Weg: Wir als Gäste des Hauses können Roller ohne Kaution mieten (20,- USD je Tag) und weil Mauro so einen verdammt guten Tag hat (oder ein schlechtes Gewissen, weil er uns hat warten lassen), spendiert er uns auch noch das Benzin.

Roller Scooter Ometepe

Cosi fährt das erste mal in ihrem Leben Roller!

Ometepe besteht aus zwei durch eine Landzunge verbundenen Inseln mit jeweils einem Vulkan: Conception auf der westlichen und Maderas auf der östlichen Inselseite. Eine extrem gut ausgebaute und vollkommen schlaglochfreie Hauptstraße lädt einfach nur dazu ein, diese Insel zu erkunden. Während man rund um Conception bequem mit einem Roller fahren kann, braucht es rund um Maderas schon eher ein Quad (ATV) oder einen Motorrad. Nachdem wir uns dann ordentlich ausgeschlafen haben, starten wir mit einem Roller in den Tag. Unsere Ziele heute sind die Strände von Ometepe, die vulkanische Mineralquelle Ojo de Agua und einfach mal ein wenig über die Insel heizen…

Augen auf im Straßenverkehr

So wundervoll die Straßen auch ausgebaut sind, so idyllisch diese ganze Insel auch ist: Auf den Straßen treibt sich allerlei Tierisches herum: Pferde, Kühe, Hunde, Schweine, Hühner… Manchmal alleine, manchmal in Rudeln und Herden. Die Menschen hier fahren sehr bewusst, die Tiere sind allerdings ein Problem im Straßenverkehr, erklärt uns Mauro später. Die meisten Verkehrsunfälle stammen durch Zusammenstöße mit Kühen und Pferden in der Dunkelheit. Eine zeitlang hat die Inselpolizei die Tiere eingefangen und gegen ein Busgeld von umgerechnet knapp 18,- USD wieder auf freien Huf (höhö) gesetzt. Allerdings waren insbesondere die Pferde vielen Inselbewohnern das Busgeld nicht mehr wert und so quoll die Polizeistation von Pferden und Kühen derart über, dass sie es wieder gelassen haben. Gelöst ist das Problem seitdem leider auch immer noch nicht.

Kühe auf Straße

Augen auf im Straßenverkehr: Kühe auf der Straße

Verlässt man Moyogalpa in Richtung Südosten, führt die Inselringstraße nur etwa einen Kilometer nach dem Ortskern auf einmal auf eine breite Asphaltpiste. Ja genau, auf einmal steht man mit seinem kleinen Mopped mitten auf einem „Flughafen“, die Straße kreuzt einfach die Landebahn. Zwei mal die Woche landen hier Regionalflugzeuge, aber den größeren Airlines ist die Konstruktion mit der Straßenkreuzung – wen wundert es – zu riskant.

So touristisch Moyogalpa auch sein mag, schon wenige Meter nach den letzten Häusern des Dörfchens und dem zweifelhaften Flughafen wird es verdammt ursprünglich. Uns begegnen Menschen auf alten Pferden mit und ohne Karren, Menschen auf einem LKW zusammen mit Kühen (die in Kurven gerne einmal umkippen) oder in den in Mittelamerika so berühmt berüchtigten Chickenbussen. Das sind ausrangierte, amerikanische Schulbusse, die hier in allen Ländern als öffentliche Busse genutzt werden. Ihren Namen haben sie der Tatsache zu verdanken, dass dort auch gern einmal lebendes (und weniger lebendes) Federvieh mitgenommen wird und die Fahrt mit den Bussen auch mal einem Abenteuer gleichen kann.

Wenn man hier durchfährt, fühlt man sich wie auf einem andern Planeten und in eine andere Zeit versetzt. Die Unterschiede zwischen Deutschland, unserer Heimat, und Nicaragua könnten gefühlt kaum größer sein. Die Häuser verdienen teilweise den Namen kaum, der Müll wird in den Hinterhöfen verbrannt, die Hunde streunen über die Straßen, Strom gibt es hier keinen. Und doch, und das gefällt uns hier so unglaublich gut, lächeln die Menschen. Sie sind fröhlich, fleißig, höflich und zuvorkommend. Sie fotografieren uns, dann fotografieren wir sie. Als uns fast ein Schwein unter die Räder kommt, lachen sie und winken uns herzlich zu. Eine Herzlichkeit, die wir übrigens in Costa Rica und Panama schmerzlich vermisst haben.

Strände und Quellen auf Isla Ometepe

Auch wenn Ometepe eine Insel ist, suchen wir Strände vergeblich. Das liegt in unserem Fall allerdings eher daran, dass es in den vergangenen Wochen am Ende der Regenzeit (Oktober/November) derart viel geregnet hat, dass der See die Strände schlicht verschluckt hat. In der Trockenzeit dann sinkt das Seelevel und die breiten Sandstrände kommen zum Vorschein. Der See ist derart riesig, dass es sogar richtige Wellen zum Surfen gibt und man selbst am Horizont an der Nordseite der Insel kein Land erkennen kann. Und alles ist Süßwasser, das ist wirklich genial! Einen kleinen Rest eines eigentlich sehr großen Strandes entdecken wir dann doch noch, stellen den Roller ab und genießen bei über 30 Grad die sinkende Sonne im Gesicht.

Wieder auf den Roller geschwungen, ein paar Hühner auf der Straße aufgeschreckt, rollen wir einige Minuten später auf den Parkplatz der Vulkanquelle Ojo de Agua ein. Für 5,- USD Eintritt (happig) kann man hier seine verspannten Muskeln in einer vulkanischen Thermalquelle entspannen und den mittlerweile 35 Grad entfliehen, denn die Quelle ist angenehm kühl. Leider aber ist sie auch enttäuschend solide zubetoniert und wirkt daher auf uns eher wie ein überteuertes Schwimmbecken. Drumherum stehen auch jede Menge Tische und Stühle, die sich mit fortschreitendem Nachmittag mit amerikanischen Touristen füllen, die in Gruppen biertrinkend dazu neigen, etwas laut zu werden. Dennoch ist das Becken eine willkommene Abkühlung bei unserer Rollerfahrt und es ist definitiv auch groß genug, um seine eigene kleine Ecke zum Entspannen zu finden.

Das Beste zum Schluss: Wir erklimmen den Conception!

Natürlich haben wir uns das Beste zum Schluss aufgehoben. Schon bei unserer Fahrt rund um die Insel haben wir ehrfürchtig zum Conception geschaut, dessen Spitze stets von Wolken umgeben ist, und uns mehr als einmal gefragt, wie irre wir eigentlich sein können, da hochklettern zu wollen.

Unser Guide Danilo erklärt den Weg

Und so stehen wir um sechs Uhr morgens schlaftrunken mit unserem großartigen Guide Danilo und unseren (später hochgeschätzten) Wanderstöcken am Straßenrand und blicken in Richtung des Vulkans. Bevor wir jedoch überhaupt an den Fuß des Berges gelangen können, müssen wir eine Stunde durch Flachland und zwei Stunden durch den Dschungel wandern. Bereits im Dschungel geht es gemächlich bergauf, das Klima macht uns zwischen dem dichten Blattwerk zu schaffen: Selbst um etwa sieben Uhr morgens hat es hier schon fast 30 Grad mit nahezu 100% Luftfeuchtigkeit. Auf dem Weg entdecken wir Kaputzineraffen, Klammeraffen und Brüllaffen. Beiläufig erwähnt Danilo, dass es hier auch Schlangen gibt, deren Biss nach 20 Minuten tötet. Und wir entdecken Wespen, die so groß sind, dass ihr Stich in den Hals uns sofort ersticken lassen würde. Na danke für die Vorwarnung, nun ist es auch zu spät…

Cosi kämpft sich durch den Dschungel

Nach etwas weniger als drei Stunden Dschungelwanderung erreichen wir die Baumgrenze. Der Dschungel geht über in alpine Pflanzen und irgendwann endet die Vegetation und es beginnt augenblicklich, windig zu werden. So windig, dass selbst ich mit meinen über 90kg mehr als einmal ins Wanken komme. An ein ruhiges Fotografieren ist hier kaum noch zu denken: Sicherheit geht vor.

Hier endet auch der Weg und das lose Geröll beginnt. Wussten wir bisher noch nicht so genau, warum es Pflicht ist, diese Wanderung mit einem Guide zu machen, so wissen wir Danilo nun umso mehr zu schätzen. „Jeder Schritt kann hier euer letzter sein, wenn ihr nicht genau darauf achtet, wo ihr hintretet“, sagt er uns in seiner entspannt-lustigen Art und wie schon bei den Schlangen zuvor denken wir: Diese Infos ein Tag zuvor, das wär doch mal nett gewesen, oder? Bei gerölligen Steigungen wie diesen nehmen wir ihm seine Warnung dann auch ohne Murren ab:

Der Weg auf den Vulkan: Alles andere als gemütlich…

Hier wird dann auch die Luft dünner, das Atmen fällt schwerer. Aus unbeschwertem Dschungelwandern wird Wandern mit Stock. Später dann wird es derart rutschig und steil, dass wir die Stöcke stehen lassen müssen und uns mit den Händen weiter hochziehen.

Aussicht Conception Vulkan Ometepe

Die Aussicht: Schon hier sehr weit…

Mittlerweile sind wir in der Wolkenschicht und können nur noch wenige Meter weit sehen. Die Feuchtigkeit aus der Wolke setzt sich auf dem sowieso schon losen Lavageröll ab und macht das Klettern noch schwieriger. Na wenigstens sieht man durch die Wolke nicht, dass es hinter uns über eintausend Meter in die Tiefe geht. Wenn Mutti wüsste, was wir hier tun…

Hier oben dann werden die Steine plötzlich warm, ja sogar heiß. Jetzt müssen wir auch noch aufpassen, wo wir hingreifen. Unser Guide weist uns auch hier den Weg. Wir sind am Limit. Immer wieder knicke ich weg, weil meine Beinmuskulatur nachgibt und einfach nicht mehr will. Es riecht nach Schwefel, der in den Kopf steigt und die Sinne vernebelt. Mit ernsthaft letzter Kraft, vollkommen durchnässt und vom Wind zerfurcht erreichen wir nach fast sieben Stunden pausenlosem Wandern und Klettern endlich den Gipfel und als wäre es ein Geschenk des Vulkans, verziehen sich urplötzlich die Wolken und geben den grandiosen Ausblick über Ometepe, den Nicaraguasee und gefühlt die ganze Welt frei…

Conception Ometepe Gipfel

Geschafft! Die Spitze des Vulkans Conception!

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

Zusammenfassung

  • Vernünftiges Preisniveau
  • Toll ausgebaute Straßen zum Rollerfahren
  • Nette, offenen und herzliche Menschen
  • Viele untouristische Orte, sehr natürlich
  • Mücken und viel Viechzeugs
  • Jede Menge Tiere auf der Straße

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  1. Eike Jahn

    am 15. Februar 2018 um 23:40 Uhr

    Ich bin ja soooo froh euch hier gefunden zu haben. Für mich der am 24.Nov.2018 nach Panama, Costa Rica und Nicaragua reisen möchte, ist euer Reisebericht GOLD Wert... toll geschrieben, sehr informativ und genau mein Style.... so stelle ich mir reisen in Zentralamerika vor. Drücke euch für die weitere Tour alles Gute.... Eike aus Köln.

    1. Marius

      am 16. Februar 2018 um 06:23 Uhr

      Hallo Eike,
      wow vielen lieben Dank für das Kompliment! Da weiß man dann, warum man sich die Mühe macht! Ich wünsche dir unendlich viel Spaß in den Ländern, insbesondere in Nicaragua! Du wirst es lieben! Wenn wir dir noch irgendeine Frage beantworten können, schreib uns gerne jederzeit an!
      Liebe Grüße aus Sri Lanka,
      Marius

  2. Peter Paul

    am 19. Januar 2018 um 15:05 Uhr

    Gratulation zur Besteigung, die wirklich alles enthalten hat, was ein Vulkan einem Europäer abverlangen kann. Ich habe solche Touren schon abgebrochen, weil die Luft zu dünn, die Luftfeuchtigkeit zu hoch oder die Kondition einfach nicht für diese "Bergwelt" geschaffen war. Mein Respekt und ihr wurdet von den Göttern beobachtet und mit einem tollen Blick belohnt. So eine Tour lässt Papageiengeschwätz, Chicken Busse und Schlangenangst vergessen. In diesem Sinne: Weiter so!

    1. Marius

      am 20. Januar 2018 um 04:39 Uhr

      Vielen Dank, Peter!
      Den Muskelkater nach diesem Aufstieg kann sich keiner vorstellen, wir waren wirklich zu exakt nichts mehr in der Lage und haben uns mangels Bewegungsfähigkeit Pizza liefern lassen. Rückblickend aus der Distanz war es der Aufstieg aber mehr als wert auch wenn wir uns mehr als nur einmal gefragt haben, was uns geritten hat, da rauf zu gehen…

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