Christchurch

Christchurch, Dunedin und viel Einsamkeit

Unterwegs in Neuseelands tiefem Süden...

Christchurch

Es war einmal… So oder so ähnlich muss die jüngste Geschichte der Südinselmetropole Christchurch beginnen. Eigentlich ist Christchurch eine sehr schöne Stadt. Von Neuseeländern liebevoll „Die Stadt der Gärten“ genannt wurde sie vor nicht einmal drei Jahren von einem Erdbeben der Stärke 6,3 auf der Richterskala heimgesucht, das Epizentrum lag unmittelbar unter der Innenstadt und legte am 22. Februar 2011 einen Großteil der zweitgrößten Stadt des Landes buchstäblich in Schutt und Asche. Und das merkt noch heute nach jedem Meter, den man sich durch sie bewegt. Häuser werden durch Container gestützt, fast jede Straße ist übersät mit Warnhinweisen, Absperrungen und Umleitungen und sowieso wirkt diese Stadt gespenstisch leer…

Die schnellste Möglichkeit für die Bewohner von Christchurch wieder ein geregeltes Leben in die Stadt einkehren zu lassen, war es, ihr Zentrum mittels multifunktionaler Container wiederherzustellen. Was damals als behelfsmäßiges Übel geschaffen wurde, hat sich mittlerweile zu einem Touristenmagnet mit einem ganz außergewöhnlichen Flair entwickelt. Welche Stadt auf der Welt hat schon eine Haupteinkaufsstraße, deren Geschäfte und Cafes in Containern untergebracht sind. Dass das durchaus charmant und schön geht, zeigt Christchurch an diesem sonnigen Tag:

Der tiefe Süden

Doch bevor ich in Christchurch angekommen bin, ging es für mich von Queenstown aus drei Tage durch den Süden Neuseelands. Mein erster Stop nach der Partyhochburg war Dunedin. Die Stadt schien sich in einer Art Winterschlaf befunden zu haben, wirkte sie doch wie ausgestorben. Kein Wunder, denn das Wetter wollte die Tage nicht so wirklich mitspielen und da Dunedin vergleichbar mit Münster oder Göttingen zu einem nicht unbeträchtlichen Teil aus Studenten besteht und hier gerade Semesterferien sind, hatte Dunedin bis auf ein paar nette Gebäude, eine ausgesprochen kühle Brise und eine für mich seitdem bis heute andauernde Erkältung nicht viel zu bieten.

Auch Invercargill, ihres Zeichens südlichste Stadt der Welt, hatte absolut nichts zu bieten, sodass ich meine Kamera nicht mal bemüht habe. Die Umgebung am südlichsten Ende einer Landmasse vor dem Südpol jedoch strotzt vor weniger beeindruckender aber dennoch einzigartiger Natur. Lake Tekapo (siehe Titelbild und Folgebild) ist weltbekannt ob seiner knallblauen Farbe. Da es hier nahezuliegen scheint und ich das generell noch mal klarstellen muss: Meine Bilder sind grundsätzlich nicht bearbeitet! Eine Ausnahme bilden hier lediglich die Titelbilder der Artikel. Bis auf Gradation und ggf. den Bildausschnitt manipuliere ich meine Bilder nicht! Angesichts des folgenden Bildes von Lake Tekapo mag man sich das allerdings zugegebenermaßen schwer vorstellen, aber diese blaue leuchtende Farbe ist tatsächlich real. Mit der faszinierendste See den ich jemals gesehen habe.

Lake Tekapo

Knallblauer Lake Tekapo

Der Süden ist auch die Heimat unheimlich vieler Tiere darunter Seerobben, Seelöwen, Pinguine und natürlich der drolligen Kiwis. Ein Rudel von Seelöwen flätzt sich genüsslich am Strand und posiert für uns bei ausnahmsweise bestem Wetter vor der Kamera. Bis auf wenige Meter kommt man an die wildlebenden Tiere heran doch dann ist auch Schluss, ein Sicherheitsabstand von zehn Metern ist vorgeschrieben und auch wenn man sich es ob der gemütlichen Optik der Säuger nicht vorstellen kann: Sie sind verdammt schnell und können sehr territorial werden. Niedlich sind sie dennoch!

Milford Sound

Milford Explorer

Milford Explorer

Das „achte Weltwunder“ ist ein fünfzehn Kilometer langer und wirklich unfassbar beeindruckender Fjord. Er liegt eingebettet im unbewohnten Nationalpark Fjordland, in dem man sich tatsächlich und nicht zum ersten Mal in Neuseeland wie auf einem anderen Planeten vorkommt. Hunderte über hunderte von Bächen stürzen schier unendlich tief senkrechte Berghänge herab, Regen, Hagel und Wind wechseln sich im Minutentakt ab. An sechs von sieben Tagen regnet es hier, so natürlich auch heute. Postkartenfotografie fällt an diesem Tag also buchstäblich ins Wasser als wir mit unserem Schiffchen vorbei an tosenden Wasserfällen und Gewitterfronten, so tief wie das Schiff hoch ist, vorbeischippern. Dennoch ist diese Landschaft auf ihre Art gerade auch wegen dem niemals enden wollenden Regen wunderschön und erinnert mich entfernt an Irland. Im zweiten Hinblick dann aber ist es eben doch Neuseeland, es lässt sich einfach nicht vergleichen.

Milford Sound Wasserfall

Milford Sound Wasserfall

Nach drei Tagen südlichstem Südneuseeland geht es für mich wieder zurück nach Queenstown, in den Tagen nach Neujahr ein Hafen der Ruhe und schon deutlich verschlafener als noch in den letzten Tagen des alten Jahres. Den Kater haben hier manche wohl noch immer nicht ausgeschlafen, bei der Sause vor einer Woche wundert mich das aber auch nicht wirklich.

Zurück im Hier und Jetzt in Christchurch schlendere ich an einem endlich mal wieder sonnigen Tag durch das Stadtzentrum oder was davon eben noch übrig ist. Viele viele Jahre noch wird es dauern, bis diese Stadt wieder auf den Beinen ist aber es lässt sich schon jetzt erahnen, dass sie sehr sehr schön werden wird. Das Wahrzeichen und der Namensgeber der Stadt, die Christuskirche (Christchurch, logo ne) wurde bei dem Erdbeben nahezu komplett zerstört und das hat damals tief gesessen. Als würde man Köln den Dom wegnehmen oder Berlin den Fernsehturm. Die neue provisorische Kirche beweist den kreativen Humor der Kunsthauptstadt des Landes wieder einmal mehr, als dass die alternative Kirche komplett aus Pappe gebaut wurde. Ja, richtig gelesen, die Kirche ist tatsächlich aus Pappe. Kiwis sind auf ihre Art und Weise eben einfach anders. Mit der tiefen Sonne im Rücken und den entspannten Klängen von Josh Ritter im Ohr geht es langsam durch den Botanischen Garten zurück zum Hostel, mein letzter Tag in Neuseeland neigt sich dem Ende.

Das war Neuseeland

Ich hatte sehr sehr hohe Erwartungen an Neuseeland und ich muss sagen, dass das Land einigen dieser Erwartungen nicht gerecht geworden ist. Das aber ist erstens dem Wetter und zweitens wiederum meinen hohen Erwartungen geschuldet. Es ist und bleibt aber ein zum Niederkniehen schönes Land mit einer landschaftlichen und kulturellen Vielfalt, die auf der Welt wahrscheinlich ihresgleichen sucht. Würde ich wieder durch Neuseeland reisen, ich würde mir einen Campervan mieten. Denn nur so kann man den unendlich vielen atemberaubenden Plätzen in Aotearoa eben jene Zeit und Ruhe geben, die es braucht, um sie gänzlich in sich aufzunehmen. Zu den schönsten und beeindruckendsten Plätzen auf diesen beiden Inseln zählt zweifelsohne der Tongariro Nationalpark, der Abel Tasman Nationalpark und die Bay of Islands. Im ganzen Land leben weniger Menschen als Berlin Einwohner hat und dennoch ist es groß wie Großbritannien und so ist es, wenn man möchte, ein sehr sehr einsames Land.

Christchurch

wunderschön einsam…

Wenn man möchte. Wenn nicht, trifft man in Neuseeland einen ganz anderen Schlag von Mitreisenden und Backpackern als in Asien oder auch Australien. Es sind reifere, erwachsenere und abenteuerlustigere aber deswegen nicht minder verrückte und liebenswürdige Menschen aus allen Herren Länder quer über den Globus verteilt. Meine Zeit in Neuseeland wird für mich als eine extrem Aufregende für immer im Gedächtnis bleiben. Neuseeland ist abwechslungsreich, Neuseeland ist spannend, Neuseeland ist wunderschön und Neuseeland ist abenteuerlich. Vor allem aber ist Neuseeland einfach anders und das wird mir jeder bestätigen, der auch nur einmal einen Fuß nach Aotearoa gesetzt hat, dem Land der langen weißen Wolke. Aber hier wie auch überall anders sind es in erster Linie die wundervollen Menschen, die das Reisen zu einem unglaublichen Erlebnis gemacht haben.

Goodbye, Neuseeland.

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