Der Strand von Ko Rong

Ko Rong Island: Eine wie keine!

Das Eiland ist, was Thailands Inseln mal waren: Bezaubernd einzigartig!

Selten ist es mir so schwer gefallen, einen Ort zu verlassen wie am frühen Morgen in Pai. Um sieben Uhr morgens klingelt der Wecker und ich muss raus. Tor wartet mit dem Mofa-Shuttle zum Bus, der mich nach Chiang Mai bringen soll. Alle schlafen, es ist absolut ruhig. Das beides ist aber auch tagsüber hier der Fall und so fühlt sich dieser Morgen an wie jeder andere Tag in Pai. Nur ist es leer, gespenstisch leer.

Hinter mir liegen erst drei, dann sechs, dann neun Nächte in einem kleinen Örtchen, dass mein Herz im Sturm erobert hat. Pai ist ein Muss für absolut jeden Thailandreisenden! Wir haben so wahnsinnig viele nette und offene Menschen – Thai wie Touristen – kennengelernt, dass ich mich an alle Namen größtenteils schon nicht mehr erinnern kann: Kanadier, Engländer, Iren, Franzosen, Deutsche, Niederländer, Spanier, Amerikaner, Australier, Polen, Bhutaner, Peruaner, Taiwanesen, Chinesen und und und. Hier lerne ich mehr und schneller Englisch, als ich es in jahrelangem Schulbankdrücken gelernt habe. Während Deutsche mich noch recht schnell als Deutschen identifizieren, hören Briten und Kanadier den Akzent bereits nicht mehr raus, so schnell kann es gehen.

Vor mir liegt eine monströse Tour nach Siehanoukville. Zwei volle Tage und Nächte soll sie dauern. In Eile, ohne Pause, mit nur vier Stunden Schlaf, keinem Essen und kaum zu Trinken. Lange habe ich mit mir gerungen: Gehe ich nach Laos, gehe ich nach Kambodscha oder bleibe ich die nächsten zwei Wochen im wundervollen Pai. Allerschwersten Herzens habe ich mich entschieden, nach Kambodscha zu reisen. Wieder mal die richtige Entscheidung, wie sich im Nachhinein herausstellen sollte. Amelie gefällt es in Pai so gut, sie ist dort so zufrieden und gut aufgehoben, dass sie bleibt. Wir beide müssen ein wenig auf die finanzielle Bremse treten und so lässt Amelies Sparkurs sie in Pai bleiben und für drei Tage in einem Bergkloster absteigen. Wahrlich kein schlechtes Los. Mich hingegen treibt es nach Kambodscha an die See.

Nach einer vierstündigen Busfahrt, einem anschließenden zweistündigen Flug, einer erneuten sechsstündigen Busfahrt, einer sehr sehr kurzen und gedankenreichen Nacht in Chanthaburi und zwei weiteren zweistündigen Busfahrten stehe ich im Niemandsland zwischen Thailand und dem Königreich von Kambodscha. Grenze vor mir, Grenze hinter mir. Fünfzig Meter Nirgendwo. Völlig erschöpft, demoralisiert und wieder erkältet durch die maßlosen Klimaanlagen der Busse und Flughäfen stehe ich nun dort. Weiß nicht weiter, habe kein Geld und keine Ahnung. Englisch spricht hier schon seit Tagen keiner mehr. Irgendwie schaffe ich es dann doch zum Immigration Counter und jetzt geht alles ganz schnell: Gleichzeitig nimmt mir ein Junge meinen Pass ab und fängt an, ein Formular auszufüllen, ein Mann im weißen Kittel steckt mir ein Thermometer in das Ohr um meine Temperatur zu messen, ein Beamter macht ein Foto von mir und ein weiterer presst meine Hand auf einen Fingerabdruckscanner. Keiner hatte mich danach gefragt und schwupps bin ich registriert und zwei Minuten später um dreißig Euro ärmer aber um ein Visum im Pass reicher. Kambodscha, ich komme!

Die Grenze von Thailand und Kambodscha

Die Grenze von Thailand und Kambodscha

Gerade so bekomme ich noch den Bus nach Siehanoukville. Sehr gut! War ich doch davon ausgegangen, eine Nacht hinter der Grenze schlafen zu müssen. Der fünfstündige Trip kostet mich mehr als alle vorherigen Busfahrten zusammen. Merke: An Grenzen wird man gnadenlos ausgenommen, aber eine Alternative gab es nun mal keine und lieber verliere ich Geld, als Zeit. Dass Kambodscha eines der ärmsten Länder der Welt ist, merkt man schon nach wenigen Metern: Die Straßen sind ein Graus, die Häuser mehr ein Haufen Schrott als bewohnbar und die Menschen sehen ärmlicher aus, als ich es jemals in meinem Leben gesehen habe. Wieder einmal fühle ich mich wie auf der schlechten Seite eines Zoos, wie ich da in meinem klimatisierten Bus sitze und hinausgucke und schäme mich für etwas, für das auch ich nichts kann. Fotos gibt es an dieser Stelle keine, ich habe es einfach nicht fertiggebracht, das auch noch aufzunehmen.

Fünf Stunden später erreiche ich Siehanoukville. Auf der Fahrt habe ich endlich mal wieder einen Backpacker getroffen. Grant aus London teilt sich mit mir daraufhin ein Zimmer für eine Nacht, am nächsten Tag wollen wir beide nach Ko Rong aufbrechen. Wir quartieren uns ein und lassen den Abend am Strand bei einem Shrimps-Barbecue, Bier und Feuerwerk ausklingen. Schön ist es hier!

Nach drei Stunden auf einer klapprigen Fähre bei strömenden Regen erreichen wir Ko Rong. Malerisch ist es hier, ein bisschen wie das thailändische Ko Tao, aber noch verspielter, noch uriger, noch schöner. Nach einem kurzen Security-Briefing zwecks Schlangen, Dengue-Mücken, wilden nachtaktiven Büffeln und fiesen Sandflöhen beziehen wir die Bungalows. Grant ist mit einer Freundin aus Deutschland hier verabredet, ich treffe Lea und Meike aus Berlin wieder, wir hatten uns eine Woche zuvor in Pai kennengelernt. Es ist schön bekannte Gesichter wiederzusehen und so frühstücken wir gemeinsam zehn Meter vom menschenleeren Strand entfernt. Danach beziehe ich mein Bett und flätze mich wie so oft in die Hängematte des Bambus-Bungalows. Die Aussicht ist ein Traum: das folgende Panorama bietet sich uns etwa 10 Meter vor der Bungalowtüre.

Ko Rong bezaubert!

Ko Rong hat keinen Bankautomaten, Ko Rong hat nur wenige Stunden Strom am Tag und noch weniger Internet. Es gibt hier eine Tauchschule, sechs Bungalow- und Baumhaus-Resorts und ebensoviele Bars. Das wars. Und genau das ist das Schöne hier! Etwa 100 Khmer (das Volk Kambodschas) und 50 Ausländer leben hier und betreiben die Insel mit viel Spaß an der Sache und stets einem Lächeln auf den Lippen. Fast leere und auch menschenleere Strände finden sich hier ohne Ende. Für kleines Geld kann man sich ein Kajak mieten und ist binnen weniger Minuten an einem absolut traumhaften und menschenleeren Strand. Die Stimmung ist ausgelassen und entspannt. Niemand ist in Eile, wie wunderbar! Es gibt Abends an fast jedem Meter des Hauptstrandes unfassbar leckeres Barbecue mit frisch gefangenen Meeresfrüchten im Kerzenschein. Schaut man nach unten, schimmern die Sterne im Meer, schaut man nach oben, leuchtet die Milchstraße. Wie soll es bitte noch schöner sein?

Ich jedoch entscheide mich kurz nach der Ankunft, meinen Tauchschein auf die nächste Stufe zu heben und beginne meinen Advanced Diver. Dieser Sport hat es mir wirklich angetan und ich möchte ihn gerne besser beherrschen. Die folgenden Tage sehe ich Ko Rong also nur abends, denn ich bin von morgens bis zum Dinner im Wasser. Fünf Tauchgänge in zwei Tagen und in den Pausen jeweils Unmengen an Theorie sind unmenschlich anstrengend und so bin ich abends oft erledigt aber zufrieden. Zwei Tage später halte ich meine Advanced Diver License in der Hand und strahle. Jetzt kann ich mich erheblich besser und effizienter im Wasser fortbewegen, beherrsche die Unterwassernavigation, bin in Unterwasserfotografie geschult und in Tiefen bis dreißig Metern vorgedrungen. Was ein Erlebnis! Das Tauchhighlight schlechthin jedoch war das Nachttauchen. Leider war eine derartige Konzentration erforderlich, dass die Kamera an Bord bleiben musste. Schade für den Blog, gut für mich, denn das ist eines der Erlebnisse, die ich mein ganzes Leben nicht mehr vergessen werde! Tauchen in gnadenloser und wirklich vollkommener Dunkelheit und Stille. Jede Bewegung, jede Luftblase und jeder Flossenschlag wird aber begleitet von zigmilliarden von lumineszierendem Plankton. So schön, dass kein Wort es fassen und keine Kamera es einfangen kann, das muss man erleben! Ich zeichne Muster, schreibe Buchstaben in das Wasser und das Plankton luminesziert mit, in unendlichfacher Zahl und in unendlich vielen verschiedenen Farben und Größen.

Marius beim Tauchen

Ich habe ein neues Hobby gefunden

Nach diesen tauchreichen und schönen Tagen geht es heute hinunter von Ko Rong. Und schon wieder möchte ich nicht weg. Mir bleiben aber nur noch wenige Tage bis ich wieder in Bangkok sein muss und ein wenig Programm habe ich in Kambodscha dann doch noch. In wenigen Stunden geht die Fähre zum Festland. Ko Rong war in Asien fürs Erste meine letzte Insel. Aber mit ganz großer Sicherheit auch die Schönste!

Marius am Meer

Ko Rong ist Freiheit!

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

Schreibe einen Kommentar

Mach uns glücklich!

Wir würden dir gerne mehr von unseren Reisen und allem, was dazu gehört, erzählen. Dazu versenden wir einmal im Monat einen Newsletter. Wir würden uns sehr freuen, ihn auch dir zusenden zu dürfen. Wie siehts aus?

Wir lieben Reisen…

…aber wir lieben auch neue Technologie. Und dein Browser ist leider alt. Zu alt für unsere Seite.
Bitte führe eine Aktualisierung durch oder erwäge einen Browserwechsel.