Ein Kurztrip nach Bukarest: Das sind unsere Topspots!

Wie du einen vollen Tag in Bukarest am besten nutzt und ob ein Tag reicht, zeigen wir dir hier!

Rumänien ist eines der Länder und damit Bukarest eine der Städte, an die ich überhaupt kein Erwartungen gestellt habe. Ja, das muss ich zu meiner Schande zugeben, da schwingen im Vorfeld eine ganze Menge an Vorurteilen gegenüber diesem EU-Land mit: Unhygienisch ist es bestimmt, die Menschen sind alle irgendwie suspekt, vielleicht neidisch, bestimmt aber arm. Na wenigstens haben wir mit unserem EU-Geld dort das eine oder andere saniert, oder? (Ja, haben wir.)

Als Vielgereister erhebe ich nicht den Anspruch, ohne Vorurteile in ein Land gehen zu können aber sehr wohl habe ich an mich selbst die Erwartung, diese Vorurteile über Bord werfen zu können wenn es angebracht ist. Und eben weil der Südosten Europas eine bei uns Westeuropäern sehr vorurteilsbehaftete Gegend ist, die wir auch dreißig Jahre nach dem Mauerfall noch immer mit einer großen Portion Skepsis betrachten, ist eine Reise nach Rumänien etwas, was mich im Vorfeld mit einer spannenden Vorfreude erfüllt hat. Meine Reisen nach Israel, Russland oder Indien haben mir geholfen, mit großen Vorurteilen gegenüber diesen Ländern aufzuräumen und ich bin mehr als gewillt, dass sich das in Rumänien wiederholt! Und so brechen wir an einem lauen Sommerabendabend im bulgarischen Varna auf nach Bukarest.

Warum denn nicht mal mit dem Bus?

Früh am morgen kommen wir eine Stunde früher als gedacht und geplant am nordwestlichen Stadtrand von Bukarest an. Unser Flixbus ist vier Stunden zuvor in der bulgarischen Küstenstadt Varna gestartet und hat uns schnell und sicher (9,99 Euro) an unser Ziel gebracht. Der Bus ist zwar eher ein Buslein und würde gern mal ein echter Bus werden, wenn er groß ist, aber das macht ja nix: Er hat vier Reifen und rollt.

Flixbus Bukarest

Unser Flixbüschen auf dem Weg von Varna nach Bukarest

Das Hotel unserer Wahl in Bukarest ist das Visconti Militari. Zugegebenermaßen ist es kein Highlight aber es ist sauber, ruhig und erfüllt seinen Zweck: Von unserer nächtlichen Ankunft an einem abgelegenen Busbahnhof sind es nur wenige Fußminuten in die Unterkunft und in den kommenden Tagen bringt uns die U-Bahn, die in Hotelnähe hält, direkt in unter 15 Minuten in das Stadtzentrum. Ein Tagesticket in der Metro von Bukarest kostet übrigens knapp 8 RON (1,60 Euro). Das lässt Städtereisendenherzen höher schlagen und so sacken wir uns gleich zwei davon ein.

Fünfzehn Minuten später spuckt uns die Metro an der Station „Piața Unirii“ aus. Dieser Platz ist im bukarester Stadtbild nun wirklich nicht zu übersehen: Ganz nach sowjetischer Prachtstraßenmanier treffen hier mehrere Boulevards der Stadt aufeinander. Der extrem weitläufige Platz ist übersäht mit einem gigantischen Springbrunnen, dem Fântâna lui Bucur. Und man, der ist wirklich gigantisch! Allein dieser Springbrunnen ist schon eine Attraktion an sich und bietet bei den heutigen knapp 33 Grad im Schatten eine willkommene Abkühlung. Der gesamte Platz ist umgeben von Einkaufspalästen üblicher Manier und natürlich auch den üblichen Verdächtigen a la Starbucks, McDonalds & Co.

Noch interessanter aber: Die historische Altstadt von Bukarest beginnt gleich im Norden des Piața Unirii und somit ist er ein idealer Ausgangspunkt, um die touristisch interessante Altstadt von Bukarest zu betreten. Wie schon in Sofia und in vielen anderen Städten zuvor setzen wir auch hier auf die Vorzüge einer Free Walking Tour. Die beginnt auch praktischerweise gleich hier am Platz.

Free Walking Tour Bukarest

  • Wo: Platz Piața Unirii am nördlichen Springbrunnen unter der großen Uhr
  • Wann: 365 Tage im Jahr bei jedem Wetter
  • Wann genau: 10:30 Uhr, 18:00 Uhr
  • Dauer: Angegeben sind 2,5 Stunden, bei uns waren es 3 Stunden
  • Keine Anmeldung erforderlich, einfach auftauchen
  • Die Tour findet auf Englisch statt
  • 6 bis 8 Euro Trinkgeld pro Person sind angemessen

Ein großes Lob hier auch gleich mal vorweg an Serban, unseren Guide für diesen Tag. Ich selbst bin ja jemand, der sehr gerne mit Sarkasmus und Zynismus spielt, aber in Serban habe ich auf jeden Fall meinen Meister gefunden. Er schafft es, die Geschichte Bukarests und auch ganz Rumäniens spannend, unterhaltsam und lebendig mit einem gehörigen Schuss Sarkasmus herüberzubringen. Insbesondere die „glorreiche kommunistische Ära“ scheint wohl etwas zu sein, was man in Rumänien zum einen allzu gerne vergessen machen möchte, sich zum anderen aber allein schon auf Grund der Architektur nicht entziehen kann: Der sozialistische Klassizismus in Bukarest ist einfach nicht zu übersehen, er hat Stadtbild, Menschen und Geschichte geprägt.

Nachfolgend erzähle ich dir nun von meinen Top 4 aus einem Tag in Bukarest. Bis auf meine Nummer 4 kannst du alle Punkte in der eben erwähnten Free Walking Tour erkunden, worauf wartest du noch?

1. Die Altstadt von Bukarest

Die Altstadt an sich ist – wie in so vielen Städten – das eigentliche Highlight von Bukarest. Wundervoll saniert, picobello sauber und kunstvoll verziert kann man zwar wirklich nicht behaupten, dass dieses Fleckchen Erde für das typische Bukarest und bestimmt erst recht nicht für das typische Rumänien steht, schön zum Durchlaufen ist es aber allemal! Das sogenannte Lipscani-Viertel ist in seiner Größe absolut überschaubar und kann wunderbar ohne wirklichen Plan durchlaufen werden: Einfach treiben lassen und die verwinkelten Gassen oder Flaniermeilen erkunden. Gelangst du an eine laute Hauptstraße, dreh einfach wieder um, so verlässt du die Altstadt garantiert nicht aus Versehen.

Wenn du durch die Stadt läufst, werden dir viele architektonische Feinheiten auffallen, wenn du genau hinschaust. Bukarest stand lange unter osmanischem Einfluss, lange unter sowjetischem Einfluss und hatte eine Phase, in der es dem Stil der Bauten von Paris nacheiferte. All diese drei Epochen finden sich in der Architektur der Altstadt wieder. Diese Kombination aus drei so ganz unterschiedlichen Baustilen ist sehens- und entdeckenswert. Wenn du noch etwas Zeit hast oder aber das Wetter schlecht sein sollte, dann schau unbedingt mal beim ehemaligen Börsenpalast herein: Dort haben sich (überdacht) kleine Antik- und Trödelmärkte angesiedelt, dein ultimatives Dracula-Souvenir, den typischen Küchenmagneten oder aber auch wirkliche Souvenirs aus der Sowjetzeit oder sogar dem zweiten Weltkrieg kannst du dort aufstöbern, wenn du nur lange genug suchst.


Altstadt von Bukarest

Die Altstadt von Bukarest

2. Das Restaurant Hanul lui Manuc

Das Hanul lui Manuc ist mehr als nur ein Restaurant. Die alte Karawanserei wurde im Jahr 1808 erbaut und diente als ummauerte Herberge für Karawanen auf dem Weg nach Europa. Da diese oft mit großen Werten reisten – sie handelten ja schließlich damit – mussten sie auch des Nachts vor Dieben und Plünderern geschützt werden. So ist die Karawanserei mehr eine kleine Festung mit wohnlichem Inneren denn ein einfaches Hotel. Heute ist der „Gasthof des Manuc“ ein lebendiger Biergarten in traumhaft schöner Kulisse. In dem Moment, in dem du durch das hohe, dunkle Eingangstor schreitest, hast du das Gefühl, in eine andere Zeit gefallen zu sein. Diese orientalisch-grüne Oase passt so gar nicht in die umliegenden Häuser im Zuckerbäckerstil zum einen und typisch sowjetischer Zweckarchitektur zum anderen. Aber irgendwie ist es genau die Kombination aus diesen Welten, die den Reiz von Bukarest ausmacht. Dass es im Hanul lui Manuc hervorragendes Bier gibt, brauche ich zwar vermutlich bei so einer Location nicht zu erwähnen, tue es aber dennoch!

3. Der Palast des Volkes

Immer dann, wenn du dich im Internet über Bukarest schlau machen möchtest, wirst du zwangsläufig über den Palast des Volkes (Palatul Parlamentului) stolpern. Das Gebäude ist vielleicht nicht unbedingt die absolute Schönheit aber es ist groß, verdammt groß. So groß sogar, dass sich der Palast mit dem zweiten Platz der größten Gebäude der Welt schmücken darf. Größer ist nur das Pentagon in den USA. Inspiriert vom Personenkult der Chinesen und Nordkoreaner wollte sich der damalige, rumänische Diktator Ceausescu ein bauliches Denkmal setzen lassen und beauftragte den Bau des 360.000 Quadratmeter fassenden Gebäudes. Erlebt hat er die Fertigstellung seines Palastes nie, die rumänische Revolution machte ihn zuvor einen Kopf kürzer. Das Gebäude wurde fertiggestellt und wird heute als Parlamentssitz verwendet. Ein Großteil des Gebäudes steht übrigens leer: Es ist zu groß und der Unterhalt einfach zu teuer.

Palast des Volkes

Der Palast des Volkes: Eines der größten Gebäude der Welt.

Leider aber wurde der Öffentlichkeit der Zutritt in den letzten Jahren verwehrt, sodass du das Gebäude wohl oder übel nur von außen bestaunen kannst. Einen kleinen Trick, um in das innere zu gelangen, gibt es aber dennoch: An der Nordwestseite des Palastes befindet sich das Nationale Museum für Gegenwartskunst (Muzeul Național de Artă Contemporană), über das du dann doch deinen Weg in den Palast finden kannst. Du erreichst die Front des massigen Palastes des Volkes am besten mit der U-Bahn (Izvor oder Piața Unirii) oder dem Bus (Calea 13 Septembrie).

4. Der König-Michael-I.-von-Rumänien-Park

Wow wie sperrig kann ein Name sein? Auf Rumänisch hört der 1,1 Quadratmeter große Park auf den Namen Parcul Regele Mihai I und liegt unübersehbar groß auf jeder Karte zu entdecken im Norden der Stadt. Die U-Bahn-Linie M2 fährt dich zur Station Aviatorilor direkt dort hin und spuckt dich am Haupteingang des weitläufigen Parks aus. Durchzogen ist der Park von einer Wasserfläche, deren Ufer mit Bänken, Cafes, Restaurants und Bars nur so gesäumt sind. Ich kann mir an einem sonnig-heißen Sommertag keinen besseren Ort in einer Millionenstadt vorstellen, als an einem schönen See mit einem eiskalten, frisch gezapften Bier. Das bekommst du zusammen mit reichlich gutem Essen im Berăria H, mehr oder weniger direkt am Wasser. Ansonsten ist der Park aber auch gesäumt von kleinen Kiosken, die eiskalte alkoholische und nicht-alkoholische Getränke verkaufen. Da steht einem entspannten Nachmittag im Park nichts mehr im Wege. Übrigens: Der Park liegt vom Zentrum aus betrachtet auf halber Strecke zum Flughafen und der Bus dorthin fährt direkt am Park (Station Piaţa Presei Libere) ab. Für einen letzten Stop auf dem Weg zum Flughafen ist er also wie geschaffen.

Du siehst, dass du eine ganze Menge sehen und erleben kannst an einem Tag in Bukarest, Rumäniens Hauptstadt. Viel mehr Zeit, auch das muss ich der Vollständigkeit halber dazu schreiben, brauchst du allerdings auch nicht. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich das Umland der Stadt, die Walachei, erkundet. Sie ist gesprenkelt mit alten Schlössern und tiefen Tälern mit Flüssen und ihren Biegungen. Ich wünsche dir viel Spaß auf deinem Kurztrip nach Bukarest, das „Paris des Ostens“.

Für Abenteurer. Für Träumer. Für dich!

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